85 Jahre Hindenburgdamm

Seit 85 Jahren verbindet der Hindenburg-Damm Sylt mit dem Festland. Rund 900 000 Fahrzeuge transportieren die Züge pro Jahr über die schmale Landbrücke. Ohne den Damm ginge heute fast nichts mehr auf Sylt. Am 1. Juni 1927 rollte der erste offizielle Personenzug über den Hindenburgdamm. Prominentester Passagier war Reichspräsident Paul von Hindenburg, nach dem das Bauwerk später benannt wurde. Bis dahin musste, wer nach Sylt wollte, das Schiff nehmen. Und auch das verkehrte nicht immer, denn Ebbe und Flut regelten den Fahrplan.

Eine alte Idee

Die Idee, die Nordseeinsel per Damm mit dem Festland zu verbinden, stammte aus der Mitte des 19. Jh. Obwohl der Touristenstrom Ende des vorletzten Jahrhunderts kräftig anschwoll, konnten sich die Verantwortlichen nicht zum Bau eines Damms entschließen – wenn auch die Sylter damals mehrheitlich per Petition für den Damm stimmten. Die Stimmung in der Verwaltung drehte sich erst 1910: Das zuständige Landratsamt Schleswig befürwortete den Plan, 1913 bewilligte der Reichstag in Berlin die Finanzierung.

Aber kaum hatten die Vorarbeiten begonnen, stoppte der Erste Weltkrieg das Projekt. Nach 1918 kam der Fremdenverkehr auf Sylt fast vollständig zum Erliegen. Und noch etwas brach den Syltern in dieser schwierigen Zeit weg: Die Fährhäfen Tondern und Hoyerschleuse fielen als Folge des Krieges an Dänemark. Sylt war nun also vollständig vom Mutterland abgeschnitten.

Sylt zwischen Deutschland und Dänemark

Ein politischer Kuhhandel ermöglichte schließlich den Bau des Damms. Die Berliner Reichsregierung versprach den Insulanern den Damm, falls diese bei der Volksabstimmung im März 1920 für den Verbleib der Insel bei Deutschland stimmen würden. Die Sylter votierten mit überwältigender Mehrheit für Deutschland, und die Regierung hielt ihr Versprechen. 1923 begannen die Bauarbeiten.

Bis zu 1500 Arbeiter schufteten unter schwierigen Bedingungen vier Jahre an der knapp 40 Kilometer langen Bahnstrecke, von der gut 11 Kilometer über den Damm führten. Zunächst verkehrten nur Personenzüge über die Brücke, erst seit 1932 werden auch Autos nach Sylt befördert. Die Idee, den Verkehr wieder auf reine Personenbeförderung umzustellen, hat angesichts der mitunter sehr belebten Straßen und Parkplätze der Insel durchaus Charme…

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