Der Hindenburgdamm: Sylts Nabelschnur

„Sylt ist keine Insel mehr“, titelte die Presse 1927 zur Eröffnung des Hindenburgdamms. Seit 1923 hatten etwa 1.500 Arbeiter an der 11,2 Kilometer langen Verbindung zwischen Sylt und dem norddeutschen Festland gearbeitet, mehr als 20 Millionen Reichsmark verschlang das Projekt unter der Leitung von Ingenieur Hans Pfeiffer. Am 1. Juni 1927 eröffnete Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847 bis 1934) das nach ihm benannte Bauwerk. 

Eine technische Meisterleistung

Für die damalige Zeit war der Damm eine technische Meisterleistung. Mitten in den Bau platzte im August 1923 eine Springflut und zerstörte viele bereits errichtete Uferschutzanlagen, sogenannte Lahnungen. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Im Jahr darauf wurden Spundwände errichtet, die ein erneutes Missgeschick dieser Art verhindern sollten. Die Spundwände bestehen aus in den Boden gerammten Holzbohlen, die ineinander greifen, und dazwischen gestopften Strohballen – diese Konstruktion sollte das Wasser abhalten. Spülbagger und Maschinen aus dem Tagebau halfen, die Pfähle in die Erde zu rammen. Der Hindenburgdamm war der erste Damm, der mit der heute Spülverfahren genannten Methode errichtet wurde.

70 Zugwaggons lieferten täglich das nötige Baumaterial an. Über den Wasserweg kamen Baustoffe aus Husum – mit 30 Seglern, drei Schleppern und 20 Lastkähnen. 3,6 Millionen Kubikmeter Sand wurden bewegt, sowie mehr als 400.000 Tonnen Steine, Kies, Busch und Pfähle. Der zehn Meter hohe Damm kam auf eine Sohlenbreite von 50 Metern, bei einer elf Meter breiten Dammkrone. Seit 1972 ist das Bauwerk durchgehend zweigleisig.

Einträglichste Kurzstrecke der Bahn

Der Hindenburgdamm ist die wohl einträglichste Kurzstrecke der Bahn: Täglich kommen 4.500 Pendler und jährlich gut 800.000 Urlauber nach Sylt – die meisten davon mit der Bahn. Am Tag wird die Insel von rund 80 Auto- und Personenzügen angefahren, mehrere Hunderttausend Pkw rollen im Jahr in Westerland vom Autotransporter. Erst der Hindenburgdamm hat den Massentourismus nach Sylt gebracht. 

Ein weiterer Effekt des Damms war die Verschlickung des umliegenden Watts – so konnte 1954 der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog südlich des Damms eingedeicht werden. Auf der anderen Seite ermöglichte es der Hindenburgdamm Raubtieren wie Füchsen und Dachsen, nach Sylt zu gelangen. Die negativen Auswirkungen für die Vogelwelt der Insel waren immens.