Der „Lange Christian“ – Kampens eleganter Riese

Man sieht ihn schon, wenn man noch auf dem Autozug über den Hindenburgdamm rumpelt: Der „Lange Christian“ ist so etwas wie das Wahrzeichen von Sylt. Schlank, stolz und stylish schwarz-weiß gestreift steht er graziös in der Heide vor Kampen – bei Tag vornehm zurückhaltend, bei Nacht lange Leuchtfinger über Meer und Insel schickend. Schon 1856 nahm der älteste Leuchtturm der Insel seinen Dienst auf, auch heute noch ist er im Amt.  Zu gern würde man einfach mal auf ihn hinaufklettern und von oben einen Blick auf die Umgebung werfen – leider ist das seit vielen Jahren nicht mehr möglich. Das war jedoch mal anders: Besucherverzeichnisse aus den Jahren 1873 bis 1886 belegen, dass der „Lange Christian“, der eigentlich Leuchtfeuer „Rotes Kliff“ heißt, einst ein beliebtes Ausflugsziel war, das – damals nur mit der Pferdekutsche erreichbar – unzählige Schaulustige und Sommerfrischler anlockte.

Neuer Look in den Fünfzigerjahren

Sein ursprünglich verwendeter petroleumgespeister Leuchtapparat war damals eine echte technische Sensation: Auf der Weltausstellung 1855 in Paris sorgte er regelrecht für Furore. Bis 1953 trug der Turm grau-gelb: ein Farbcode, der dem „Langen Christian“ deutlich weniger gut stand. Heute zeigt er sich strahlend weiß mit einem breiten waagerechten Streifen und moderner neuer Schaltanlage. Leuchtturmwärter werden nicht mehr benötigt: Inzwischen werden alle Sylter Leuchtturmfeuer  über eine Funkschaltuhr, die in Koblenz steht, ferngesteuert. Eine Stunde vor dem Sonnenuntergang wird eingeschaltet – eine Stunde nach Sonnenaufgang gehen die Lampen wieder aus.

Zwischen 1913 und 1975 hatte der „Lange“ übrigens einen Assistenten: In dieser Zeit warnte das deutlich kleinere „Quermarkenfeuer Rotes Kliff“ inmitten der Kampener Dünen, ein 11-Meter hoher, achteckiger Klinkerbau, vor der Küste auftauchende Seefahrer mit roten und weißen Lichtern vor Sandbänken.

Er leuchtet jetzt also wieder allein in die Dunkelheit, der „Lange Christian“… Trotz seiner mehr als 150 Jahre sieht der Riese allerdings noch ganz schön gut aus: Im Sommer 2005 wurde er renoviert und frisch gestrichen.