Der letzte Sylter Milchbauer

Gibt es das überhaupt noch: Landwirtschaft auf Sylt? Der Platz ist begrenzt, Grund und Boden teuer. Aber dennoch: Die Bauern sind auf Sylt noch nicht ganz ausgestorben.

Sand, Dünen, Hotels, Luxusvillen, Naturschutzgebiete, ein ziemlich großer Flughafen – bleibt da noch Platz für Landwirtschaft auf einer so kleinen Insel wie Sylt? Nicht viel, aber im Osten der Insel, dort, wo Sylt seinen langausgreifenden Haken Richtung Festland macht, gibt es Wiesen und Weiden, die tatsächlich noch von Landwirten bearbeitet und bestellt werden.

Milch aus Morsum

Jens Nielsen ist einer der letzten Vertreter seiner Spezies auf Sylt, um genau zu sein, er ist der letzte Milchbauer der Insel. Knapp 40 Kühe hält Nielsen auf seinem Morsumer Bauernhof. Bis vor einigen Jahren hatte Nielsen noch einige Sylter Kollegen. Aber seit die Meierei vom Festland die Milch nicht mehr von der Insel abholt, haben alle Landwirte die Milchwirtschaft aufgegeben – bis auf Nielsen.

Der Mittfünfziger vermarktet die Milch selbst auf der Insel, der Transport der Rohware über den Hindenburgdamm wäre zu teuer. So beliefert er vor allem in der Sommersaison, wenn die durstigen Touristen kommen, Supermärkte, Kioske und Strand-Gastronomen mit seiner frischen Milch. Fans schwören auf die Qualität der Morsumer Milch. Nielsens Trick: Er verwendet in seiner Mini-Meierei die niedrigste erlaubte Pasteurisierungstemperatur, so bleibt die Milch sahnig und cremig.

Milch statt Schampus

Im Hochsommer verkauft Nielsen 500 bis 600 Liter Milch auf der Insel. Das ist im Vergleich zu den Großbauern vom Festland fast nichts. Dennoch hat Jens Nielsen einen prallvollen Arbeitstag, schuftet locker bis zu zwölf Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Auch im Winter, wenn die Milchtrinker ausbleiben. Die Kühe müssen schließlich auch versorgt werden, wenn gerade niemand Durst auf Milch hat. Das Getreide, das er an die Tiere verfüttert, baut er auch noch selbst an.

Nielsen ist in vierter Generation Milchbauer. Dass eines seiner vier Kinder den Hof weiterführt, ist angesichts der harten Arbeit und der eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten unwahrscheinlich. Vielleicht findet sich dereinst ein Verrückter vom Festland, der eine der kleinsten Molkereien Deutschlands übernimmt. Es kann ja nicht nur Schampus geben auf Sylt.

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