Die Ruhe von Westerland

Des einen Freud ist des anderen Leid, das gilt auch auf Sylt. Viele Westerländer und ihre Gäste erfreuen sich an Großveranstaltungen wie dem Windsurf World Cup, aber einige Anlieger und Urlauber leiden unter Lärm und Müll, der mit solchen Events einhergeht. Das sorgt für großen Streit auf der kleinen Insel.

Winterruhe und Sommersturm

Eine steife Brise fegt über die Dünen, die Luft ist atemberaubend frisch: Der Winter auf Sylt tut gut und ist die ideale Zeit, um in aller Ruhe abzuschalten. Das gelingt im Sommer leider nicht immer. Wenn sich die Autos Stoßstange an Stoßstange vom Bahnhof in die Stadt schieben, in den Westerländer Einkaufsstraßen die Kassen pausenlos klingeln und auch der letzte Strandkorb am Brandenburger Strand ausgebucht ist, ist es mit der Ruhe schnell vorbei. Die Sylter Hochsaison ist nicht jedermanns Sache – und wenn sich zum „normalen“ Touristenansturm auch noch die vielen tausend Besucher von Events wie dem Windsurf World Cup gesellen, wird’s dem einen oder anderen zu eng auf Sylt. Und vor allem zu laut.

Wie viel Freizeitlärm darf sein?

Seit Wochen tobt auf der Insel ein Streit über den künftigen Umgang mit Großveranstaltungen am Brandenburger Strand von Westerland. Keine Frage, Events wie der World Cup sind wichtig für Sylt: Sie prägen das Image der Nordseeinsel, locken weitere Besucher an, sorgen bei Hotellerie, Gastronomie und Handel für zusätzliche Einnahmen. Die Begleiterscheinungen: Lärm von morgens bis spät in die Nacht. Einem Westerländer Hotelier dröhnen die Ohren offenbar besonders schlimm. Der Gastronom besteht auf die Einhaltung der Freizeitlärm-Richtlinie, die im Prinzip eine Zehn-Tages-Frist vorschreibt. Bedeutet: Eigentlich dürfte die Westerländer Partymeile am Brandenburger Strand nur für zehn Tage im Jahr für Großveranstaltungen genutzt werden, inklusive Auf- und Abbau.

Der Sylter Tourismusservice sieht damit alle fünf Mega-Events, die regelmäßig pro Jahr am Strand stattfinden, als gefährdet, wenn nicht gar unmöglich an. Die Touristiker fürchten die Absage der prestigeträchtigen Veranstaltungen, wenn es nicht doch noch, wie in der Vergangenheit, zur Einigung zwischen Anliegern und Veranstaltern komme. Die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber beschwichtigt. Der Hotelier habe kein Interesse daran, Großveranstaltungen kaputtzumachen, er wolle nur, dass die Zahl auf ein erträgliches Maß zurückgefahren und die Beschallung nicht auf seine Fassade gerichtet werde. Man sei im Gespräch, so Reiber. Auf den Ausgang des Streits darf man gespannt sein.

Sylt ohne Großveranstaltungen wie den World Cup – undenkbar. Immer mehr und immer größere Veranstaltungen mitten im Kurort, der Westerland nun mal ist – ein schwieriges Thema.