Die Sylter und ihr Tee

Auf Sylt wird Wein angebaut und Bier gebraut, in den Restaurants der Insel werden Austern und andere Sylter Meeresfrüchte zubereitet. Es gibt Lammfleisch, Honig, Marmelade und sogar Mineralwasser auf der Insel. Aber ausgerechnet ein auf der Insel heiß geliebtes Lebensmittel kommt von weither und hat geografisch rein gar nichts mit Friesland zu tun – und gilt dennoch als Nationalgetränk an der Küste. Tee wird auf Sylt in unzähligen Variationen und zu allen möglichen Anlässen getrunken. Obwohl die Sylter sich beim ersten Kontakt mit dem exotischen Genussmittel angeblich nicht sehr geschickt anstellten…

Sylter Teegenuß seit 1794

Die Leidenschaft für Tee verdanken die Friesen der Legende nach einem Zufall. Das asiatische Aufgussgetränk gelangte erst 1794 auf die Insel, als ein mit Tee beladenes Schiff auf dem Norderknop bei Sylt strandete. Auf dem Festland war das Teetrinken zwar schon länger bekannt, aber erst seit diesem Vorfall wusste man auch auf Sylt etwas mit den feinen, aromatischen Blättern aus asiatischen Plantagen anzufangen – nachdem einer der Strandräuber die Teeblätter für Tabak hielt und mit dem Versuch sie zu rauchen, wenig Erfolg hatte.

Heute bieten die Sylter Teegeschäfte ihren Kunden mehr als 300 Sorten zur Auswahl an. Darunter sind längst Spezialitäten, die den Grundstoffen nach wenig mit dem Strandgut von 1794 zu haben. Die Sorte Sylter Dünenfeuer etwa wird mit Kaktusblüten gemacht und verströmt Wildbeeren-Aroma, der Sylter Bio-Beerentraum ist ein Schwarztee mit Früchten aus biologischem Anbau. Die Klassiker im Tee-Angebot auf der Insel – ob im Laden oder in der Teestube – sind natürlich die zahlreichen Friesentee-Mischungen. Kaum ein Laden auf Sylt, der nicht wenigstens ein Geheimrezept dafür in der Schublade hätte.

Friesentee ist Schwarzer Tee

Der typische Friesentee besteht aus verschiedenen kräftigen Teesorten und schmeckt je nach Mischung mild-herb bis kräftig-aromatisch. Vielleicht haben die Friesen den Tee auch deswegen in ihr Herz geschlossen, weil sich dieser Aufguss so lecker mit Honig, Kandis, Rum, Zitrone, Sahne oder Milch verfeinern lässt. Mit einem heißen schwarzen Tee, der kräftig mit Rumkandis veredelt wurde, lässt sich schließlich fast jeder Sturm überstehen. Und zur Not kann man ihn auch schon zum Frühstück genießen.

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