Eine schrecklich schräge Familie

Eine schrecklich schräge Familie: Die „Reisenden Riesen“ feiern Jubiläum 

Entweder man liebt sie – oder man hasst sie: An den giftgrünen „Reisenden Riesen“ auf dem Vorplatz des Westerländer Bahnhofs scheiden sich seit nunmehr 15 Jahren die Geister! Während die einen die schiefe Riesenfamilie unweit des Hotels Miramar richtig ins Herz geschlossen haben, fühlen sich die anderen durch die ungewöhnlichen Objekte des Künstlers Martin Wolke provoziert. Die Ablehnung ging zeitweise so weit, dass Wolke mit dem Gedanken spielte, sich von einem Bodyguard beschützen zu lassen! 

Kunst mit Konfliktpotenzial

Vor 15 Jahren entschied eine Ausschreibung darüber, von wem der Westerländer Bahnhofsvorplatz für 200.000 Mark neu gestaltet werden soll. Eine von den lokalen Politikern beauftragte Jury gab Martin Wolke und seinen „Reisenden Riesen“ den Zuschlag. Daraufhin sahen verschiedene Stadtvertreter rot. Sie waren eher bereit, eine Konventionalstrafe an den Künstler zu zahlen, als die schrägen Giganten tatsächlich installieren zu lassen. Selbst ein Bürgerbegehren sollte auf die Beine gestellt werden – da die Politik jedoch endgültig entschied, das Werk zu realisieren, kam es dazu nicht mehr.

Gegner und Fans

Vor allem die umgedrehten Gesichter der „Reisenden Riesen“ stoßen auch heute noch häufig auf Ablehnung. Andere loben dagegen den avantgardistischen Charakter der Figuren und halten den Künstler für einen genialen Bildhauer. Allein die Tatsache, dass die Grünlinge nie mit Graffiti beschmiert worden sind, zeigt laut der Riesenbefürworterin Petra Reiber, Ex-Bürgermeisterin von Westerland, dass diese Art von Kunst inzwischen akzeptiert ist. Auch würden die Riesen für Aufmerksamkeit sorgen und dem überalterten Image der Stadt Westerland lautstark entgegenwirken. Dem Künstler Martin Wolke ist sein Werk noch heute sehr wichtig. Er hat in das Projekt jede Menge Herzblut gesteckt, erschuf die knallige Kunststoff-Truppe in aufwendiger Arbeit in einem eigens dafür angemieteten Lok-Schuppen in Kiel. 

Heute strahlt die Familie nicht mehr ganz so grün wie ehedem. Ein Kostenvoranschlag für den Neuanstrich der schrecklich schrägen Familie liegt der Stadt schon seit längerem vor – nach 15 Jahren wird es auch mal Zeit für eine kleine Auffrischung.