Fossiliensammler auf Sylt – auf der Suche nach den Zeugen längst vergangener Zeiten

Man muss schon sehr gute Augen und ein wenig Glück haben, um sie zwischen all den Steinen und Muscheln am Meeresrand zu entdecken: Fossilien sind auf Sylt keine Seltenheit. Gerade jetzt in den Wintermonaten, wenn sich keine Menschenseele am Strand zeigt und nur das rhythmische Geräusch der Wellen, das Rauschen des Windes und das Schreien der Möwen zu hören ist, haben Hobby-Paläontologen gute Chancen auf einen echten Urzeitfund. 

Gefragt ist Geduld

Die höchste Trefferquote dürfte man direkt am Flutsaum erzielen: Hier, wo runde Steine neben kantigen, weißen, schwarzen oder roten Exemplaren liegen, geht man am besten stundenlang geradeaus, späht konzentriert mit Adleraugen hinab, sammelt vielversprechende Kandidaten auf, lässt sie wieder fallen, geht weiter und bückt sich wieder – die Fossiliensuche ist ein Ausdauersport! Und vielleicht hält man dann irgendwann tatsächlich einen dieser uralten Schätze in der Hand, einen versteinerten Seeigel oder einen flachen Kieselstein, der die Abdrücke eines Schneckengehäuses zeigt. 

Dankbares Terrain

Sylt ist für Fossiliensammler eine vielversprechende Destination: Kannte man zu Anfang des vorangegangenen Jahrhunderts bereits um 150 verschiedene Arten urzeitlicher Versteinerungen, sind es inzwischen mehr als 700. Eine echte geologische Sensation war die Entdeckung bis dato unbekannter versteinerter Schwammarten, die die Bezeichnung „Syltispongia“ (Schwamm von Sylt) erhielten. Auch Wirbel von Seehunden oder Walen, Haifischzähne und sogar der kräftige Backenzahn eines Ur-Zebras wurden auf der Insel schon gefunden. 

So viel Exotik ist allerdings eher die Ausnahme – Freizeitsammler entdecken am Meeresrand in der Regel versteinerte Seeigel, Schwämme und Muscheln, die aus dem Paläozän, dem Zeitalter vor etwa 60 Millionen Jahren, oder der Kreidezeit stammen, die man auf den Zeitraum von vor 145 bis 65 Millionen Jahren datiert.

Wer sich das spezielle Fossilienauge nach unendlich vielen Strandspaziergängen einmal antrainiert hat, wird diese Leidenschaft nie wieder los. Denn – wie auch im Leben – liegt hier die Faszination nicht im Besitzen, sondern im Finden der Dinge.