Frischer Sand für Sylt

Sandaufspülungen und Wellenbrecher: Mit großem Aufwand repariert Sylt die Schäden, die Herbst und Winter auf der Insel hinterlassen haben.

Wer in diesen Wochen Sylt besucht, kann ein besonders Schauspiel erleben: die Sandvorspülungen an der Westküste der Insel. Seit über 40 Jahren nutzen die Sylter das Frühjahr, um die Schäden der Herbst- und Winterstürme zu beseitigen und ihre Insel wieder fit für die Saison zu machen. Etwa eine Million Kubikmeter Sand, das sind rund 50.000 Lkw-Ladungen, werden dabei jedes Jahr an die Sylter Strände gespült. Dieses Jahr sind’s sogar etwa 1,3 Millionen Kubikmeter.

 Die Sand-Wasser-Mischung wird aus der See vor der Küste geholt und über ein Rohrsystem auf den Strand gepumpt, wo die Sandmassen von Raupen verteilt werden. Dieses Jahr haben die Küstenschützer besonders viel zu tun, denn die Stürme vom vergangenen Herbst haben teilweise verheerende Schäden auf Sylt hinterlassen. Zweidrittel der Westküste haben Sturm und Wellen deutlich sichtbar angenagt: Die Strände sind sehr flach geworden, an vielen Dünen zeigen sich bis zu sechs Meter hohe Abbruchkanten.

 Von List bis Hörnum wird derzeit an zahlreichen Strandabschnitten Sand aufgespült, in Westerland gleich an drei Stellen, unter anderem auch auf Höhe des Hotels Miramar. Ohne diese Maßnahmen hieße es auf Sylt häufiger mal „Land unter“. Gäbe es keine Sandaufspülungen, wäre etwa die Westerländer Einkaufsmeile Friedrichstraße vermutlich nur mit dem Boot befahrbar, müssten Hotelgäste nasse Füße befürchten. Um 300.000 Kubikmeter Sand wachsen die Westerländer Strände diesmal – dabei sind diese Küstenabschnitte weit weniger von den Stürmen in Mitleidenschaft gezogen worden als etwa die Südspitze der Insel.

Die Hörnumer starteten sogar eine Online-Petition, warben für verstärkten Küstenschutz, um ihre Odde zu retten. Die Anwohner fürchten nämlich, dass ein weiterer Sturm die Nordseewellen bis direkt vor die Haustür spülen könnte, da Dünen und Befestigungen rund um die Siedlungen seit dem letzten Herbst erhebliche Lücken aufweisen. Die Hörnumer wurden erhört: Die schleswig-holsteinische Landesregierung will dieses Jahr zusätzlich 2,5 Millionen Euro für den Schutz der Sylter Südspitze ausgeben. Unter anderem wird nun der bestehende Wellenbrecher, ein sogenanntes Längswerk aus Beton-Tetrapoden, von 160 auf knapp 400 Meter verlängert.

 Aber auch diese Maßnahme wird nicht verhindern können, dass ein Teil der Odde in den nächsten Jahren verlorengeht.