Geboren auf Sylt: Gustav Jenner

Der gebürtige Keitumer Komponist Gustav Jenner erblickte am 3. Dezember 1865 das Licht der Welt. Kurz darauf verließ die Familie die Insel. Schon während seiner Schulzeit zeigte Gustav Jenner großes Interesse für das Klavierspiel und die Komposition. Als er 19 Jahre alt war, nahm sich sein Vater, als Arzt des Missbrauchs an verschiedenen Patientinnen für schuldig befunden, noch im Gerichtssaal auf spektakuläre Weise das Leben: Er durchschnitt sich selbst die Halsschlagader. 

Weg ins eigene Leben
In der folgenden, für den jungen Gustav Jenner schwierigen Zeit stand ihm ein Freund zur Seite: der niederdeutsche Dichter Klaus Groth. Da Groth eine besondere Verbindung zu dem Komponisten Johannes Brahms pflegte, sorgte er dafür, dass Brahms den jungen und musikbegeisterten Gustav Jenner als Schüler in Wien aufnahm – der einzige persönliche Kompositionsschüler, den Brahms je hatte. Johannes Brahms kümmerte sich wie ein Vater um seinen Zögling und überwachte dessen kompositorische Fortschritte mit großem Stolz. Sowohl Jenner als auch Brahms arbeiteten in dieser Zeit insbesondere an kammermusikalischen Kompositionen.

Zurück nach Deutschland
Als Neuling in der Welt der Musik veranstaltete Gustav Jenner halböffentliche Hauskonzerte, um seine Klavierwerke, Lieder und Sonate zu erproben. Einem größeren Publikum wurden die Werke Jenners von Künstlerfreunden in Konzerten präsentiert. Jede Form von musikalischem Pomp und orchestraler Monumentalität war Gustav Jenner zuwider – für ihn lag die Kunst der Musik in einfacheren, klareren Formen. Auch ein übersteigertes Karrieredenken entsprach nicht in seiner Natur: Die Möglichkeit, als Repetitor mit der Aussicht auf eine Kapellmeisterstelle an der Wiener Staatsoper tätig zu werden, lehnte er 1891 ab. 

Stattdessen wurde Jenner 1895 zum akademischen Musikdirektor an der Universität Marburg ernannt, die ihm 1904 auch die Ehrendoktorwürde für seine Verdienste um das städtische Kulturleben verlieh. Ebenfalls 1895 heiratete er die Fabrikantentochter Julie Hochstetter. Mit nur 54 Jahren starb der Komponist Gustav Jenner am 29. August 1920 in Marburg – seine Kompositionen und Skizzenbücher sind bis heute ein wichtiger Teil des Hessischen Musikarchivs.