Golf und Natur – auf Sylt passt das zusammen

So klein Sylt auch ist, Platz für ein paar Golfplätze muss ein. Die gepflegten Grüns sind aber nicht nur Oasen für Edel-Sportler, sondern auch ein Paradies für Pflanzen und Tiere.

Golfsport und Naturschutz passen nicht immer zusammen, denn wo eine neue Golfanlage in die Landschaft gesetzt wird, haben natürliche Vegetation, Fuchs und Hase in der Regel das Nachsehen: Denn sie sind dem kleinen weißen Ball oft im Wege.

Abschlag statt Aufmarsch

Auf Sylt scheint dieser Konflikt eher in eine friedliche Koexistenz zu münden. Zwei der drei Sylter Golfplätze entstanden auf aufgegeben Militärarealen: der Platz des Golfclubs Budersand in Hörnum und die Anlage des Marine Golf Clubs in Tinnum. Viel Natur gab an den Plätzen, wo heute Golfer an jeweils 19 Löchern abschlagen, nicht. Stattdessen aber zubetonierte Flächen, auf denen jahrzehntelang Kasernen, Start- und Landebahnen, Werkstätten und Tanklager die Landschaft verschandelten.

Der Umbau der ehemals militärisch genutzten Flächen in Golfplätze folgte einem naturnahen Konzept. Die Grundidee war dabei in beiden Fällen gleich: Der neue Golfplatz sollte so aussehen wie das ursprüngliche Sylt – und mit Dünen, Heiden, Trockenrasen und Tümpeln als Ausgleichsflächen gestaltet werden. Damit gehören die Sylter Golfplätze auch zu den seltenen Exemplaren der sogenannten Links-Courses. Linksplätze, typisch für Schottland, sind keine protzigen Parkanlagen, sondern sportlich genutzte, zumeist am Meer gelegene Flächen mit ursprünglichem Charme.

Erstaunliche Artenvielfalt auf dem Golfplatz

Um den Naturschutz besorgte Biologen haben auf den Plätzen in Hörnum und Tinnum jedenfalls eine erstaunliche Artenvielfalt ausgemacht. Zwischen Sandbunkern, künstlich angelegten Dünen, Heideflächen, Rasen und Gebüsch tummeln sich seltene Insekten wie die Raupen von Brombeer- und Kleespinner, die ebenso seltene Sumpfohr-Eule und vom Aussterben bedrohte Pflanzen wie das Berg- und Sandglöckchen. Und an warmen Sommerabenden zirpen die Zikaden zum Duft von wildem Thymian. Wer dieses Naturschauspiel erleben möchte, muss allerdings – Golf spielen können und über ein ordentliches Handicap verfügen.