Haloo und Gud Dai: die friesische Sprache Sölring

Wer zum ersten Mal nach Sylt kommt, wundert sich über seltsame Orts- und Straßennamen. Wird man dann beim Bäcker oder an der Tankstelle noch Zeuge eines Dialogs wie „Hur gair’t wat?“ – „Mi gair’t gur!“, ist die Verwirrung komplett. Obwohl Sylt schon lange eine Urlaubsdestination ist, die von Millionen Menschen aus allen Teilen Deutschlands und der Welt besucht wird, hat die Insel ihre uralte Sprache, das Sölring, zumindest unter Alteingesessenen bewahrt. Etwa 700 Insulaner sprechen es noch und tun viel dafür, dass das Nordfriesische nicht vollends in Vergessenheit gerät.

Die Wurzeln reichen weit in die Vergangenheit

Im 7. Jahrhundert kamen Friesen aus dem heutigen Holland nach Sylt und entwickelten das Sölring. Mit anderen friesischen Dialekten hat die Sprache einiges gemein – so zum Beispiel die Spuren von Englisch, Plattdeutsch und Holländisch. Eigen sind dem Sölring aber viele Wörter, die auch im Dänischen auftauchen wie Jööl, fesk oder faarwel, was so viel bedeutet wie Weihnachten, Fisch und Lebewohl. Leider ist die Sprache bis heute ziemlich aus der Mode gekommen. Diejenigen, die sie noch sprechen und verstehen, gehören überwiegend zur älteren Generation. Glücklicherweise hat bereits vor 200 Jahren der Sylter Jap Peter Hansen das Sölring nach seinem Sprachempfinden aufgeschrieben – daraus entstand ein für friesische Sprachen recht umfangreiches Literaturwerk. Zu diesem gehört zum Beispiel der längste nordfriesische Roman der Welt: Di lekkelk Stjüürmann – auf Hochdeutsch „Der glückliche Steuermann“. Jap Peter Hansens Sohn Christian setzte das Wirken seines Vaters fort und brachte Geschichten und Märchen zu Papier, die man sich damals im nordfriesischen Raum erzählte –darunter die mysteriöse Sage von Pidder Lüng und dem Grünkohl oder vom Meermann Ekke Nekkepenn.

Liebe zur alten Sprache

Der Sylter Heimatverein Söl’ring Foriining bemüht sich auch heute noch darum, die alte Sprache am Leben zu erhalten. Seine Mitglieder gehen beispielsweise in Kindergärten und bringen den Kleinen Wort und Brauchtum näher. Auch in vielen Schulen wird die Sprache gelehrt, zudem gibt es Radioprogramme, Theaterstücke und Kinderbücher auf Sölring. Die Chancen stehen also gut, dass das Nordfriesische noch einige Zeit überleben kann.