Insel im Wind: So schwer zerren Stürme an Sylt

Wer schon öfters im Herbst oder Winter auf Sylt war, dürfte eine steife Brise gewöhnt sein. Die Insel wurde in der Vergangenheit oft so hart von Stürmen getroffen, dass dramatische Landverluste die Folge waren. So zum Beispiel am 24. November 1928, als das Wasser in den südlichen Teilen Westerlands hüfthoch in den Straßen stand und das Meer bis in die östlich gelegenen Ortschaften Archsum und Morsum schwappte.

Die verheerenden Stürme von 1962, 1976 und 1981
Besonders spektakulär war der Orkan „Vincinette“, der am 17. Februar 1962 über ganz Norddeutschland wütete. Bis auf vier Meter über normal stieg das Hochwasser auf Sylt und brach sich auf einer Breite von 250 Metern in Hörnum seinen Weg. Die Sylter Westseite zeigte Uferabbrüche von bis zu zehn Metern – auch der Hindenburgdamm wurde schwer beschädigt.
Auch 1976 ereignete sich ein Sturm, der die Insel schwer in Mitleidenschaft zog. 170 Stundenkilometer schnell war das Sturmtief, das am 3. Januar über Sylt hinwegfegte. In der Folge ereignete sich eine Springflut, die den Wasserstand auf bis zu vier Meter ansteigen ließ. Die Landstraße, die von Kampen nach List führt, wurde vollständig von Wasser überflutet, zwischen Rantum und Hörnum versanken 30 Meter Dünen in den Fluten. Der Zugverkehr auf dem Hindenburgdamm musste zeitweise eingestellt werden.
Ähnlich schlimm waren die Ereignisse am 24. November 1981: Mit 4,05 Metern über dem mittleren Hochwasser kletterten die Pegel in List und Hörnum auf den höchsten Stand des 20. Jahrhunderts. Ein Orkan mit bis zu 14 Windstärken spülte die Wellen teilweise 25 Meter tief ins Land hinein. Die Straßen nach Norden, Süden und Osten waren nicht mehr passierbar – in Morsum und Archsum hielt man sich für die Evakuierung bereit. In letzter Sekunde sanken die Pegel wieder.

Stürme auf Sylt fast an der Tagesordnung
Fast 200 Stundenkilometer – so hoch war die Geschwindigkeit der Sturmböen, die der Orkan „Anatol“ im Dezember 1999 mit sich brachte. Er begrub Autos unter Bäumen, hob Dächer ab, knickte Verkehrsschilder um und warf Wohnwagen einfach auf die Seite. Zehn Hektar Waldfläche wurden vernichtet. Auch im neuen Jahrtausend haben heftige Stürme die Insel heimgesucht – 2016 musste wegen Sturmtief „Barbara“ sogar erstmals seit 31 Jahren das traditionelle Weihnachtsbaden abgesagt werden.