Magisches Sylt: Wenn die Nordsee leuchtet

Es ist zwar nicht ganz so grandios wie das Polarlicht im hohen Norden, aber ein glitzerndes Naturschauspiel: Das Meeresleuchten an Sylts Westküste sorgt für magische Momente.

Die Wellen blitzen blau-grün auf, kleine Lichtpunkte bringen die Wasserfläche zum Glitzern und bedecken die Haut abendlicher Schwimmer: Dieses Schauspiel nennt sich Meeresleuchten. Sylter und die Stammgäste unter den Touristen kennen das Phänomen, das vor allem im Hochsommer auftritt. Spielt das Wetter mit, ist es, wie in diesem Jahr, auch schon früher zu beobachten. 

 

Plankton-Lichtspiele

Verantwortlich für die leuchtende Nordsee sind sogenannte Meeresleuchttierchen, eine Plankton-Art. In der Wissenschaft heißen diese bis zu 0,5 Millimeter großen Organismen Noctiluca. Finden die Kleinstlebewesen genügend Nahrung in Form von Algen vor, vermehren sie sich so stark, dass sie wie ein Teppich das Meer bedecken. Dann leuchten sie wie schwebende Lämpchen in der dunklen See, für die Rotfärbung sorgt die aufgenommene Nahrung dieser transparenten Tierchen. Voraussetzung dafür ist sonniges und ruhiges Wetter, also viel Wärme und eine schwache Strömung. Unter diesen Bedingungen vermehren sich die (harmlosen) Algen explosionsartig und das große Fressen beginnt – und damit das Meeresleuchten. 

 

Spektakel für Nachteulen

Und noch etwas muss stimmen, damit Strandspaziergänger oder Schwimmer das Meeresleuchten beobachten können: die Tageszeit. Denn zu sehen ist es erst nach Sonnenuntergang. Wer also dieser Tage und Wochen kurz vor Mitternacht noch einmal vor die Tür geht oder seine Badesachen packt, wird eventuell mit einem speziellen Naturschauspiel belohnt. Treibt schon tagsüber eine gallertartige rosa Masse auf dem Wasser, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es später in der dunklen Nordsee etwas zu sehen gibt. Denn diese Masse besteht aus dem gefräßigen Plankton, das nachts so schön leuchtet. Die sogenannte „Rote Tide“ ist übrigens für Menschen, die mit ihr in Kontakt kommen, vollkommen ungiftig.

 

Und wenn’s nicht leuchtet – dann bieten auch die schäumenden Wellen und eine frische Brise genügend Naturerlebnis, um vorm Schlafengehen noch einmal tief durchzuatmen.