Nördlich, nördlicher, Ellenbogen

Nördlich, nördlicher, Ellenbogen: Die berühmte Halbinsel am äußersten Zipfel von Sylt 

Die Dünenlandschaft des Ellenbogens ist einzigartig, seine Lage ist es auch. Der Ellenbogen stellt den nördlichsten Zipfel von Sylt dar – und gleichzeitig die nördlichste Ortschaft der Bundesrepublik. Auf der lang gestreckten und gebogenen Halbinsel leben 300 kuschelige Einwohner – die Schafe fühlen sich hier unendlich wohl! Es gibt jede Menge Freilauf ohne Zäune – Autofahrer müssen stets damit rechnen, dass wollige Passanten die Fahrbahn überqueren. Dann gilt die Verkehrsregel: Vorfahrt für Schafe!

Naturparadies mit bewegter Vergangenheit

Schon 1923 wurde die gesamte Lister Dünenwelt zu einer der ersten Schleswig Holsteiner Naturschutzgebiete erklärt. Die Ruhe währte jedoch nicht lang: Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Ellenbogen zahlreiche Bunker und Geschützstellungen errichtet. Für den Munitionsnachschub sollte die Sylter Inselbahn sorgen: Für sie wurden dann auch noch sechs Kilometer Schienen auf der Halbinsel verlegt. Bunkerreste finden sich auf dem Ellenbogen noch heute, die Schienen hat man nach dem Krieg wieder abgebaut.

Auch in den Jahrzehnten nach Kriegsende ging es laut zu am Nordzipfel: Die Bundeswehr unternahm hier Schießübungen, bei denen Kampfjets Ziele auf der Halbinsel beschossen. Erst 1992 war der Spuk vorbei.

1965 überraschte der Ellenbogen Besucher und Spaziergänger ein weiteres Mal: Im Herbst ragte aus der zuvor unberührten Dünenlandschaft plötzlich ein 53 Meter hoher Bohrturm empor. Geophysikalische Untersuchungen hatten ergeben, dass man in 4.000 Metern Tiefe auf Erdöl stoßen würde – statt Öl sprudelte dann allerdings nur Wasser an die Oberfläche. Nach einem halben Jahr war der Bohrturm wieder verschwunden.

Privatbesitz: Für Autos wird eine Maut fällig

Deutlich idyllischer nehmen sich da die beiden kleinen Leuchttürme aus, die von weither zu sehen sind. 1858 wurden die Türme List West und List Ost in Betrieb genommen, da damals von der offenen Nordsee ein gefährlicher Schiffsweg um den Ellenbogen herum zum Hafen Munkmarsch an der Ostseite der Insel führte. Heute befindet sich die Halbinsel im Privatbesitz mehrerer Lister Familien. Autofahrer müssen deshalb an der Einfahrt zum Ellenbogen eine Mautgebühr bezahlen.

Guten Appetit!