So sprechen wir… Sölring – Sylter Platt

„Diar di Dik liigst es, gair di Flör jest aur!“


Na? Irgendwas verstanden? Okay, wir helfen Ihnen. Da oben steht: „Wo der Deich am niedrigsten ist, geht die Flut zuerst rüber!“

Es gibt Dutzende von unterschiedlichen, norddeutschen Dialekten. Einige versteht man besser, andere sind komplizierter. Unserer ist komplizierter, tut uns leid. Wenn Sie also zwei Sylter bei einer Unterhaltung erleben, der Sie nicht folgen können, werden die Inselbewohner wohl Sölring sprechen.
Sölring unterscheidet sich ein wenig von anderen nordfriesischen Dialekten, da es stark beeinflusst ist von der dänischen Sprache. Außerdem hat es sich nicht so stark verändert und modernisiert, wie manch andere Mundart.

Wie fast jeder Dialekt kämpft auch Sölring um’s Überleben. Inzwischen wird es aber in Kindergärten, Volkshochschulen und Schulen gepflegt und ist wieder ein fester Bestandteil der Sylter Traditionen und Bräuche.

Eine große Bedeutung hat Sölring unter der nordfriesischen Mundarten in der Literatur. Die sylterfriesische Literatur wird oft als die umfassendste und am weitesten entwickelte nordfriesische genannt. Startpunkt der Sölring-Literatur war die im Jahr 1809 erschienene Komödie „Di Söl’ring Pir’rersdei“ („Der Sylter Petritag“) von Jap Peter Hansen. Der Sylter Seemann schrieb auch den einzigen längeren Roman in nordfriesischer Mundart. „Di lekkelk Stjüürman“ („Der glückliche Seemann“) ist die 1833 erschienene Fortsetzung von Hansens Erstlingswerk.

Seither haben viele Sylter Künstler auf Sölring Gedichte geschrieben, Romane geschrieben, Theaterstücke verfasst. Hier ein kleiner Ausschnitt aus unserer Sylt-Hymne, die beinahe jeder Sylter auf platt mitsingen kann.

Üüs Söl’ring Lön‘

Üüs Söl’ring Lön’, dü best üüs helig;
Dü blefst üüs ain, dü best üüs Lek!
Din Wiis tö hual’en, sen wü welig;
Di Söl’ring Spraak auriit wü ek.
Wü bliiv me di ark Tir forbün’en,
Sa lung üs wü üp Warel’ sen.
Uk diar jaar Uuning bütlön’ fün’en,
Ja leng dach altert tö di hen.
Kumt Riin,
Kumt Senenskiin,
Kum junk of lekelk Tiren,
Tö Söl’ wü hual’
Aural;
Wü bliiv truu Söl’ring Liren!

Und hier die Übersetzung:

Unser Sylter Land

Unser Sylter Land, du bist uns heilig,
du bist unser Eigen, du bist unser Glück.
Deine Art zu halten, sind wir willig.
Die Sylter Sprache vergessen wir nicht.
Wir bleiben mit Dir jederzeit verbunden,
solange wir auf der Welt sind.
Auch jene, die ihr Zuhause außerhalb fanden,
sie sehnen sich doch immer zu dir hin.
Kommt Regen,
kommt Sonnenschein,
kommen dunkle oder glückliche Zeiten
Zu Sylt halten wir
Immer
Wir bleiben treue Sylter Leute.