Reetdächer: Romantisch und hochfunktional

Reetdächer: Romantisch und hochfunktional

Sie gehören zu Sylt wie die Dünen und die See – die Reetdachhäuser der Insel. Viele der Häuser stehen heute unter Naturschutz, einige von ihnen wurden bereits im 18. Jahrhundert gebaut. Ihren Ursprung haben die Reetdachhäuser aber weitaus früher.

Ursprung in der Jungsteinzeit

Als der europäische Mensch als Fischer, Bauer oder Viehzüchter sesshaft wurde, stand statt der Mobilität eines Nomadendaseins Langlebigkeit im Vordergrund. Anstatt mobiler Zelte, die aus Fellen, Laub und Ästen gefertigt und mitgeführt wurden, kamen nun andere Baustoffe zum Bauen der ersten Häuser in Frage – neben Knüppeln, Schilf und Grassoden auch Reet. Der natürliche Baustoff erwies sich als ideal zum Errichten von Dächern: Die ersten Reetdachhäuser im Siedlungsgebiet der Germanen entstanden in der Jungsteinzeit, im heutigen Schleswig-Holstein und im südlichen Dänemark.

Natürliches Material zur Bedachung

Das aus Schilfrohr bestehende Reet ist bis heute ein ideales Material zum Bau eines Dachs: In erster Linie liegt das an seinen Eigenschaften wie guter Wärmedämmung und Resistenz gegenüber Wasser: Das Eindringen von Nässe wird verhindert, Regenwasser kann auf der Außenhaut gut abfließen. Gleichzeitig ist ein Reetdach flexibel und elastisch, was wichtig ist, um einerseits den Windstärken im Norden standzuhalten und andererseits das Arbeiten der hölzernen Dachkonstruktion abzufedern. Heutzutage kommt das Reet in sogenannten Bunden auf den Bau: Ein Bund hat etwa 55 bis 60 Zentimeter Umfang – zum Decken einer Dachfläche von etwa einem Quadratmeter werden zehn bis zwölf Bunde Reet verarbeitet. Ein fertiges Reetdach ist übrigens eine natürliche Klimaanlage: Im Sommer bleibt das Haus angenehm kühl, im Winter hält es die Wärme im Innern.

Schöne Bauten aus heimischem Schilf

Die Reetdachhäuser auf Sylt wurden früher mit den Reethalmen gebaut, die auf der Insel im Überfluss wuchsen – als weiteres Baumaterial dienten aus den Niederlanden importierte Materialien, aber auch das Treibholz gestrandeter Schiffe. Heute wird das Dachreet für Neubauten importiert – in Kampen, Keitum und Wenningstedt gibt es Bereiche, in denen nur Reetdachhäuser gebaut werden dürfen. So ist sichergestellt, dass Reetdachhäuser noch lange als Teil des ganz eigenen Erscheinungsbilds der Insel Sylt Bestand haben.