Sensationell harmlos: Der freundliche Riesenhai vom Sylter Außenriff

Sein Erscheinen war eine echte Sensation: In der Nähe des Sylter Außenriffs wurde im Juni ein Cetorhinus maximus gesichtet, ein Riesenhai, der bis zu vier Tonnen schwer wird und mit einer Länge von bis zu zwölf Metern als zweitgrößter Fisch der Erde gilt! Sein furchterregendes Aussehen trügt: Riesenhaie sind reine Planktonfresser – Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Jahreszeitlich bedingt folgt der sanfte Riese Planktonschwärmen, die durch die Weltmeere ziehen, und gelangt so in die verschiedensten Ecken der Erde. 

Schwergewichtiger Wasserfilter

Riesenhaie schwimmen in krebs-, fischlarven- und planktonreichen Gebieten knapp unter der Meeresoberfläche mit weit geöffnetem Maul und schlucken einfach alles hinunter. Dabei lassen sie das Wasser durch ihre Kiemenreusen strömen und filtern so pro Stunde etwa 2.000 Tonnen Flüssigkeit. Riesenhaie kommen in vielen Meeren vor – sie bevorzugen jedoch kühle und gemäßigt warme Gewässer. Auf der Nordhalbkugel findet man sie häufig vor China, Korea und Japan, sie tauchen aber auch an der Ostküste der USA von Neufundland bis nach Florida, in der nördlichen Nordsee und im Mittelmeer auf. Ihr Bestand wurde durch gezielte Befischung dramatisch minimiert – vor allem in ostasiatischen Ländern hat die Nachfrage nach Haifischflossen und -fleisch dem Riesenhai stark zugesetzt.  

Meeres-Monitoring zeigt faszinierende Phänomene

Etwa zeitgleich mit dem Auftauchen des Riesenhais vor dem Sylter Außenriff zeigten sich etwa 130 Kilometer vor der Westküste Sylts im deutschen Natura-2000-Schutzgebiet Doggerbank zwei Zwergwale. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die plankton- und fischreiche Region für den Naturschutz eine große Bedeutung hat! 

Die maritime Lebensvielfalt soll durch die Ausweisung der Schutzareale langfristig gesichert werden: Den gleichen Zweck verfolgen die Natura-2000-Schutzgebiete am Sylter Außenriff und am Borkum Riffgrund. Der Nahrungsreichtum der geschützten Gebiete scheint neben Riesenhaien und Zwergwalen auch viele andere Meeresbewohner anzuziehen: Ein Seevogel-Monitoring dokumentierte im Winter die Anwesenheit von zahlreichen Trottellummen, Tordalken und sogar Papagei- und Krabbentauchern.