Sturmflut-Alarm in Hörnum

Die Hörnumer fürchten um ihre Häuser. Die Sylter Südspitze, die Hörnum-Odde, ist nach den letzten Sturmfluten weiter geschrumpft. Überflutet die Nordsee demnächst das Dorf?

Wie ein kleiner Finger ragt Sylts Südspitze ins Meer hinein. Die Hörnum-Odde ist eine schmale Landzunge, nur etwa zwei Kilometer lang und wenige hundert Meter breit. Ein prima Ausflugsziel – aber vielleicht nicht mehr lange. Denn die idyllische Dünen- und Heidelandschaft ist stark gefährdet. Die schweren Sturmfluten der vergangenen Monate haben der Odde kräftig zugesetzt. Wind und Wellen haben rund 40 Meter Sand fortgerissen, in der Hörnumer Dünenkette entstanden große Lücken. Nun schlagen die Hörnumer Bürger Alarm. Sie fürchten, dass bei der nächsten Sturmflut das Wasser bis in Dorf läuft und die Häuser der Siedlung Süderende überflutet. 

Um die Hälfte geschrumpft

Der natürliche Schutz durch die Dünen droht in Hörnum schon lange zu verschwinden, die Odde schrumpfte in den letzten 65 Jahren um mindestens die Hälfte ihrer ursprünglichen Fläche. Sind die Dünen erst weg, kommt die Nordsee ins Dorf, glauben die Hörnumer. Und sie glauben auch, dass die Landesregierung ihre Nöte nicht ernst genug nimmt und zu wenig für den Schutz der Sylter Südspitze tut. Mit der Facebook-Initiative „Rettet die Hörnum-Odde“ und einer Unterschriftensammlung wollen die Hörnumer jetzt Druck machen. Der Landesbetrieb für Küstenschutz hält dagegen: Damit Wasser ins Dorf läuft, müsste die Flut auf über fünf Meter über Normalnull steigen. Der Orkan Xaver peitsche die Nordsee aber „nur“ auf eine Höhe 3,26 Meter auf. 

Schutz aus Sand und Beton

Dass die Odde ohne Schutzmaßnahmen wohl dem Untergang geweiht wäre, ist allerdings unstrittig. Würde die Landzunge verschwinden, wird auch der Druck aufs Festland größer. Denn die Odde wirkt wie ganz Sylt als Küsten-Bollwerk, ein natürlicher Vorbau, der das dahinterliegende Land vor den Fluten schützt. Die bisher beschlossenen Maßnahmen zum Erhalt dieses Bollwerks gehen den Hörnumer nicht weit genug. Wie schon lange üblich wird auch dieses Jahr wieder nach dem Ende der Sturmflutsaison Sand aufgespült. Zusätzlich sollen die Tetrapoden-Längswerke aus Beton, die jetzt nur im Bereich der Siedlung Süderende im Wasser liegen und als Wellenbrecher wirken, um 150 Meter nach Süden verlängert werden.

Ob das reicht? Darauf wird vermutlich erst die nächste schwere Sturmflut eine Antwort geben.