Sylt – der ewige Kampf gegen das Meer

Eine gute Nachricht gibt es von der Küstenschutzbehörde: Die Westküste von Sylt ist stabil. Der Grund dafür sind die umfangreichen Sandaufspülungen, die seit 1984 durchgeführt werden. Die Behörde rettet durch diese Maßnahmen wertvolles Küstenland an den Kliffs, Dünen und Stränden. 2010 wurden der westlichste Strand mit einer Länge von 40 Kilometern und einer Breite von 1,5 Kilometern vermessen.

Sylt wird das ganze Jahr über – aber besonders durch die Herbststürme – durch das Meer bedroht. Ja, so muss man es wohl nennen, wenn die Wellen Stück für Stück des wertvollen Landes an der Westküste wegschwemmt. Die umfangreichen und kostenintensiven Schutzmaßnehmen der Sandaufspülungen sind die Rettungsmaßnahme, die greift. Wertvoller Sand wird kilometerweit vor Sylt aus dem Meer gepumpt und dann wieder an der Westküste aufgeschüttet und befestigt.

Wie Sylt entstanden ist

Zur Historie: Sylt, wie wir die Insel heute kennen, gibt es etwa seit 400 Jahren. Die Insel entstand aus Altmoränen, die der Insel das charakteristische Aussehen mit dem Sandstrand, Dünen und Kliff gegeben hat. Das erste Mal wurde Sylt 1141 als Insel benannt, damals lag sie als Priel-Landschaft vorm Festland, das bei Ebbe in wenigen Minuten zu erreichen war. Doch die 2. Große Sturmflut, die „Große Mandränke“ von 1362 veränderte alles. Die gesamte Nordfriesische Küste wurde neu gestaltet. Nach Berichten des Chronisten Anton Heimreich (1626-1685) brachte die stürmische “Westsee” vier Ellen (etwa 2,4 Meter) hohe Wellen hervor, die über die höchsten Deiche gegangen sei. Die Folge: 21 Deichbrüche und viele Orte verwanden von der Landkarte – überschwemmt. Der Chronist hatte damals von 7.600 Menschen gesprochen, die ums Leben kamen. Andere Stellen nannten sogar insgesamt 100.000 Tote, doch nach heutigen Kenntnissen scheint das übertrieben.

Diese Sturmflut hat die Küste radikal verändert. Bis zu dieser Zeit war die Küste mit einer klaren Linie im heutigen Nordfriesischen Wattenmeer zu erkennen – eine Landschaft, die durch viele Priele durchzogen wurde. Nach der Flut sind die Geestinsel Amrum und Sylt, Föhr mit Geest und Marsch und es entstand geblieben. Außerdem bildeten sich die berühmten Halligen.

Landraub durch das Meer

Sylt wurde durch die Meeresströmungen schon damals verändert. Im 14. Jahrhundert war das Listland kurzzeitig vom Rest der Insel getrennt, erst als sich der sogenannte „Ellenbogen“ in bildetet versandete der „Königshafen“ bei List. Doch das war noch nicht alles, was die Insulaner miterleben mussten. Denn neben dem schleichenden Sandschwund gab es auch noch den Sandflug – die Dünen wanderten nach Osten. Für die Bewohner dort wurde es eine bedrohliche Situation, die sie im 18. Jahrhundert durch eine umfassende Bepflanzung der Dünen mit Strandhafer lösen konnten. Dennoch ging der Abbruch von ganzen Landstücken weiter, das belegen Aufzeichnungen aus der Zeit.
Sylt musste in den Jahren von 1870 bis 1951 jedes Jahr rund 0,4 Meter wertvolles Küstenland im Norden und 0,7 Meter im Süden an das Meer abgeben. Die Aufzeichnungen belegen sogar, dass danach bis 1984 mehr als ein Meter Land abbröckelte. Die Sturmfluten taten in den Jahren ihr übriges – teilweise wurden Landabschnitte sogar vorübergehend von Sylt getrennt.

Mit Buhnen gegen das Meer kämpfen

Im 19. Jahrhundert haben die Insulaner und der Küstenschutz mit harten Bandgagen gegen die Meeresströmungen gekämpft: Holz-Buhnen wurden rechtwinkelig zur Küste in den Meeresgrund gerammt. Nach und nach wurden sie zuerst durch Metall- später dann durch Stahlbeton-Wände ersetzt. Doch auch diese Maßnahmen halfen nicht wirklich. Die Meerströmungen auf der wind- und strömungsabgewandten Seite machten das Ablagern von Sand fast unmöglich. Heute wird der wertvolle Sand aus dem Meer durch Rohre auf die Strände gepumpt und dort von Bulldozern und Baggern verteilt.