Sylt historisch: Englische Seebäder als Vorbild

Sylt – das ist ein 40 km langer Weststrand, das sind Kurorte wie Kampen, Westerland und Wenningstedt, das ist die größte nordfriesische Insel und das sind Meeresabtragungen. Das ist Wattenmeer und viel Natur, das ist ständige Veränderung auch über die Geschichte hinweg. Sylt – das sind 99 Quadratkilometer oder 38 km von Nord nach Süd mit 320 Metern Breite bei List und 12,6 km Breite bei Westerland. Sylt – das ist der Hindenburgdamm, der die Insel über 11 km mit dem Festland verbindet. Sylt – das ist Urlaub mit Geschichte.

Geschichte zu Sylt

Entstanden ist die ‚Insel’ Sylt, die vorher ein prieldurchzogenes Mündungsgebiet war, im Jahre 1362 in der Zweiten Marcellusflut. Diese Flut begann am 15. Januar, zog sich über den 16., dem Tag Marcellus Pontificis, hin und ebbte erst am 17. Januar wieder ab. Die Zahl der Toten an der gesamten Nordseeküste war sehr hoch. Deiche, die zur damaligen Zeit gebaut wurden, erwiesen sich als zu niedrig und sorgten vor allem für ein Absinken des Bodens durch den Acker- und Torfabbau. Eingedrungenes Meereswasser konnte nicht mehr gezielt abfliessen, der Tidenhub – also die Schwankungen zwischen Ebbe und Flut – vergrößerte sich.

Westerland entstand ebenfalls nach einer Sturmflut im Jahre 1436. In der Allerheiligenflut am 1. November wurde der Ort Eidum vollständig zerstört. Die Überlebenden entschlossen sich daher, westlich des Ortes ihr Dorf neu unter dem friesischen Namen ‚Weesterlön’ wieder aufzubauen. So wurde der Name ‚Westerland’ kreiert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Westerland im Jahr 1462. Der alte Dorfkern befindet sich zwischen der Alten Dorfkirche und der Deckerstraße.

Sylt, so wie wir es heute kennen und schätzen, entstand vor rund 400 Jahren. Der Kern der Insel basiert auf Altmoränen, die heute noch in der Mitte der Insel und im Westen mit Kliff, Dünen und Sandstrand sichtbar sind. Dieser Geestkern erodierte vor rund 8000 Jahren durch den Anstieg des Meeresspiegels und einer starken Strömung. Die Sedimente lagerten sich südlich und nördlich an, während sich die Westkante stetig nach Osten verschob. Während der so genannten ‚Kleinen Eiszeit’ im 15. und 16. Jahrhundert belastete die Einwohner neben dem schleichenden Landschwund auch der Sandflug.

Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Dünen gegen den Sandflug durch die Bepflanzung mit Strandhafer geschützt. Dennoch nahm die Inselsubstanz weiter ab. Die Verschiebung der Insel lag zwischen 1951 und 1984 bei 0,9 Meter im nördlichen Bereich und 1,4 Metern im südlichen Bereich. Buhnen, zuerst aus Holz, später aus Metall und Beton erzielten ebenso wie Tetrapoden keine große Wirkung. Das einzige Mittel ist seit 1970 die Aufschüttung von Sand, der mittels Baggerschiffen als Wasser-Sand-Gemisch an den Strand gespült wird.

Tourismus auf Sylt

Der Sylter Tourismus fand seinen Ursprung in England in den damals frisch gegründeten Badeorten. 1855 boten die Sylter erstmals in Westerland Badekuren an. Davor lebten die Inselbewohner vom Wal- und Heringsfang, der Seefahrt, der Austernzucht und dem Entenfang. Diejenigen, die in der kärglichen Landwirtschaft arbeiteten, litten anders als die Nordseemänner oft an großer Armut.

1855 ging erstmals der Leuchtturm von Kampen in Betrieb. Die Gäste kamen aus Hamburg mit einem Schnelldampfer und aus Tondern (Dänemark) per Postschiff. Wie es in geschichtlichen Quellen heißt, beherbergten die Sylter 1859 bereits 98 Badegäste. Die Oberschicht und auch Gäste aus der Mittelschicht machten in Sylt Bäder-Kuren, die teils mehrere Wochen dauerten.

Ab 1888 wurde die Sylter Inselbahn zwischen dem Hafenort Munkmarsch und Westerland gebaut. Sie wurde später bis Hörnum und List erweitert. Für Touristen bot sich damit ein weiterer Vorteil, da der Kutschbetrieb vom Hafen nach Westerland nicht mehr notwendig war. Die Inselbahn fuhr bis 1970 und wurde dann stillgelegt. Teils gelten die alten Trassen der Schmalspurbahn jetzt als schöne Spazierwege.

Sylt kam nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1866 an Preußen und wurde in die Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Der Tourismus nahm in jener Zeit stetig zu und bereits 1911 übertrumpfte Westerland die Touristenziele Wyk auf Föhr und Büsum in der Beleibtheit und der Zahl der Übernachtungen.

Touristen können sich jetzt an vielen Stätten aus der Geschichte tummeln. So wurde etwa die St. Niels Kirche in Westerland bereits 1635 erbaut. Das wertvollste Stück ist ein spätgotischer Schnitzaltar, der aus drei Flügeln besteht. In den Sommermonaten ist diese Kirche von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Bereits 1885 reiften die ersten Pläne für den Bau einer neuen Kirche, die die alte Dorfkirche ablösen sollte. Sie war für die wachsende Zahl der Einwohner zu klein. 1908 wurde die St. Nicolai Kirche eingeweiht.

Einen besinnlichen Spaziergang ist auch die Heimstätte der Heimatlosen wert. 55 Seeleute, die an die Strände von Westerland, Rantum und Hörnum in den Jahren von 1855 bis 1905 angespült wurden, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Der Friedhof wurde 1907 geschlossen. Dennoch bleiben die Erinnerungen wach: 1980 wurde ein Schiffbrüchiger als Harm Müsker identifiziert. An ihn erinnert eine Gedenktafel.

Die Wilhelmine ziert den Westerländer Brunnen in der Innenstadt. Sie ist neueren Datums und wurde von der Sylter Bildhauerin Ursula Hensel-Krüger entworfen. Der Brunnen stammt aus dem Jahr 1980. Ebenfalls neu ist der Friedrichshain, ein Naturerlebnisraum am Nordrand von Westerland. Hier befindet sich auch ein Süßwasserweiher. Monatlich finden verschiedene Erkundungstouren statt.

Auch unter den zwei Weltkriegen hatten die Insulaner zu leiden. Im 1.Weltkrieg wurde deutsches Militär eingesiedelt, es kam aber nicht zu militärischen Handlungen. 1922 stimmten die Sylter mit einer Mehrheit von 88 Prozent für den Verbleib im deutschen Bereich. Da jedoch der Hafen Hoyer in Dänemark lag, erwies sich die Anreise für Touristen als schwierig. Aus diesem Grunde wurde Sylt mit einem Eisenbahndamm vom Festland aus zugänglich gemacht. Der Hindenburgdamm hat eine Länge von 11,2 Kilometern und ist auch heute noch in Betrieb.

Die Nazis wählten Sylt als bevorzugtes Reisegebiet. Auch der KdF (Kraft durch Freude) unterhielt hier Ferienmöglichkeiten. Parallel dazu gab es in Kampen weiterhin Treffpunkte für Künstler und Literaten, die dem NS-Regime kritisch gegenüber standen. 1938 wurde Sylt zum Sperrgebiet erklärt und mit Bunkeranlagen und Seezielbatterien mit schweren Geschützen ausgebaut. Mehr als10.000 Soldaten wurden in Sylt stationiert – aber der Angriff der Alliierten erfolgte über die Normandie. Insgesamt erfolgten 5 Bombenangriffe, richteten jedoch nur geringen Schaden an.

Sylt blieb bis 1949 den Touristen verschlossen. Von den Flüchtlingen, die in den Hotels wohnten, blieben die meisten auf Sylt. Die Einwohnerzahl stieg auf über 25.000. Erst in den 60er Jahren belebte sich die Zahl der Touristen wieder. Und neben den Reichen und Schönen beherbergt die Insel nun auch Familienurlauber aus Deutschland und den Nachbarländern.