Sylt im Winter: Stürmischer Außenposten

Die Brandung fegt über den Strand, der Sturm rüttelt am Roten Kliff: Der Winter kennt kein Erbarmen mit Sylt. Aber Experten beruhigen – noch ist Sylt lange nicht verloren.

Auch wenn der Winter für viele Sylt-Fans die schönste Jahreszeit ist: Die Stürme, die in diesen Wochen über die Insel hinwegfegen, nagen heftig an dem Ferienparadies in der Nordsee. So heftig, dass sich nicht nur Sylter Hausbesitzer und Urlaubsgäste fragen, wie lange das noch gutgeht, bevor die Insel von den tosenden Fluten verschluckt oder in Stücke gerissen wird.

Was sich der Sturm nimmt, holt sich der Mensch zurück.

Jedes Jahr verliert Sylt durch die Stürme gut eine Million Kubikmeter Sand. Denn Sylt ist ein Außenposten – kein natürliches Hindernis wie Watt, Felsen oder Inseln schützt die lange Westküste zwischen Hörnum und List. Das Meer stößt ungebremst auf die schmale Insel. Bis zu vier Meter Sand, also in erster Linie Strand und Dünen, entreißt die Nordsee jedes Jahr der Insel an den besonders sensiblen Stellen.

Sylt ist schutz- aber nicht hilflos: Jedes Frühjahr wird der verlorene Sand am Strand neu aufgespült, dazu bewegen Pumpen, Rohrleitungen und Bagger etwa 1,2 Millionen Kubikmeter Sand. Diese Maßnahme hat sich als die bislang einzig wirksame Methode erwiesen, die Insel vor den drohenden katastrophalen Folgen der Herbst- und Winterstürme zu bewahren. Würde der fortgespülte Sand nicht ersetzt, ginge es nämlich beim nächsten Sturm an die Substanz: Das Meer würde Dünen und Geestkern angreifen, früher oder später würde Sylt an besonders gefährdeten Stellen auseinanderbrechen oder zumindest überflutet werden.

Noch für Jahrhunderte sicher

Geologe Ekkehard Klatt kennt die Insel seit 50 Jahren und bietet auch Führungen auf Sylt an. Ohne Schutz durch Sandaufspülungen würde die Insel pro Jahr einen bis zwei Meter Land an das Meer verlieren, rechnet der Experte. Es würde also nur noch wenige Jahrzehnte dauern, bis Sylt an seinen schmalsten Stellen auseinanderbrechen würde. Die gute Nachricht des Geologen für alle Sylter Einwohner, Gäste und Immobilienbesitzer: Sylt bleibe auch in ein paar Jahrhunderten noch ungeteilt, weil die Aufspülungen die Insel schützen.

Bis die Luxus-Reetdachhäuser in Kampen, die Westerländer Promenade oder halb Hörnum endgültig in den Fluten versinken, vergehen also noch unzählige herrliche hochsommerliche Ferienwochen!