Sylt und der Walfang

Sylt und der Walfang

Die Geschichte des Walfangs ist heute noch auf Sylt allgegenwärtig: Ihre Spuren finden sich überall auf der Insel – etwa der große Walkiefer am Eingang des Sylter Heimatmuseums. Der berühmteste aus Sylt stammende Walfänger war Lorenz Petersen de Hahn; er brachte es in 29 Jahren Seefahrt auf 169 erlegte Tiere.

Mitte des 17. Jahrhunderts, nach der katastrophalen Burchardiflut von 1634, sahen viele Sylter ihre Chance im Walfang. Zu dieser Zeit gingen viele deutsche, aber auch holländische, dänische und englische Kapitäne auf „Grönlandfahrt“ – ein geografisch etwas ungenauer Begriff für die Walfahrten, die vor allem in die Gewässer vor Spitzbergen führten. Insbesondere der Grönlandwal und der Nordkaper waren begehrte Ziele, da sie zu den langsamen Schwimmern zählen. Und: Nach ihrem Tod gehen sie aufgrund ihrer dicken Speckschicht nicht unter. Grönlandwale können bis zu 18 Meter lang werden und ein Gewicht von bis zu 100 Tonnen erreichen. Ihr Speck wurde ausgekocht, der daraus resultierende Waltran war bis Ende des 19. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Lampenöl.

Die Walfänger lebten gefährlich

Walfang war ein hartes Geschäft: Monatelang waren die Seeleute von ihren Familien getrennt, auf ihren Fahrten litten sie nicht selten an Skorbut und anderen Mangelerscheinungen. Und viel Mut mussten sie mitbringen: Bis auf ein paar Meter ruderten die Harpuniere mit einer kleinen Schaluppe an die Wale heran, um dann die Harpune in das riesige Tier zu schleudern. Die Waffe war mit dem Fangboot verbunden, und ein einziger Schlag mit dem Schwanz reichte dem Wal, um das Boot zu zerstören und seine Insassen in ein nasses Grab zu schicken

Sylter Walfänger sind bereits im Jahre 1636 dokumentiert. Die ersten Sylter Walfangkapitäne waren Bunde und Tam Petersen aus Tinnum im Jahr 1642. Erfolgreichster Inselkapitän war Lorenz Petersen de Hahn (1668 bis 1747): Bereits mit elf Jahren fuhr er das erste Mal zu See, mit 25 hatte er sein eigenes Kommando. De Hahn – Zeitgenossen beschrieben ihn als „langen, hageren Mann mit schlenkerndem Gang und ernstem, stillen Wesen“ – wurde zum reichsten Sylter seiner Zeit. Bei seinem Tod im Alter von 78 Jahren belief sich sein Vermögen auf umgerechnet etwa vier Millionen Euro.

Ende des Walfang-Booms

Aber es gab auch eine Schattenseite. So schrieb der Sylt-Chronist Christian Peter Hansen (1803 bis 1879): „Die große Zahl der Witwen im Vergleich zu den Witwern kommt von dem frühen Tode so vieler Sylter Seefahrer in ihrem gefahrvollen Berufe her.“

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts lohnten sich die „Grönlandfahrten“ kaum mehr – die Zahl der Wale im Eismeer hatte dramatisch abgenommen. Entsprechend ging es auch mit dem Sylter Walfang bergab. Aber schon im 19. Jahrhundert hatte Sylt eine neue Einnahmequelle erschlossen: den Tourismus.