Sylt verliert Michelin-Sterne

Schwierige Zeiten für Restaurantbetreiber und Feinschmecker: Statt wie bisher mit zehn, darf sich die Sylter Gastronomie bald nur noch mit sieben Michelin-Sternen schmücken.

Auf Sylt scheint sich gerade ein gastronomisches Erdbeben zu ereignen – ein kleines zwar, aber eines mit spürbaren Folgen. Jahr für Jahr fiebern Sylter Küchenchefs, Touristiker und Gourmets der aktuellen Ausgabe des Restaurantführers Michelin entgegen. Wie viele Sterne wird die Bibel der Haute Cuisine diesmal über Sylt leuchten lassen? Im vergangenen Jahr waren es stolze zehn Sterne, die der Michelin an Sylter Köche verteilte. Dieses Jahr waren es nur noch – neun. Und ab Anfang 2015 werden es noch zwei weniger sein. Verliert Sylt seinen guten Ruf als kulinarische Spitzendestination?

Jörg Müller gibt seinen Stern ab

Ja und nein: Dass es dieses Jahr nur noch neun Michelin-Sterne für Sylt gab, hat eine ganz einfache Erklärung – und sie hat zunächst nichts mit etwa sinkender Qualität der Sylter Restaurants zu tun. Altmeister Jörg Müller, der in seinem gleichnamigen Westerländer Restaurant jahrelang auf Sterne-Niveau kochte, hat eine neuerliche Bewertung durch die Tester abgelehnt. Die schlichte Begründung des Meisterkochs: „Das ist nicht nötig auf einer Ferieninsel.“

Das „La Mer“ macht dicht

In eine ähnliche Richtung geht der nächste Stern-Verlust. Das Restaurant „La Mer“ im Lister Hotel Grand Spa A-Rosa hat zwar seine beiden Sterne dieses Jahr wieder errungen, macht aber Anfang 2015 dicht. Aus dem Management verlautet, man freue sich zwar über die erneute Auszeichnung, aber diese Art hochwertiger Gastronomie rechne sich nicht für ein Ferienhotel. Koch Sebastian Zier verlässt die Insel, das hochdekorierte Restaurant schließt. Mit anderen Worten: Es gab einfach nicht genug Hotel- und sonstige Gäste, die den Weg ins „La Mer“ fanden, um ihr Geld für ein Spitzenmenü auf den Tisch zu legen. Das ist eigentlich erstaunlich, denn das A-Rosa gilt als Resort der Luxusklasse und verfügt über eine zahlungskräftige Klientel. Sind die verwöhnten Sylt-Gäste am Ende der kulinarischen Höhepunkte müde geworden?

Gourmets werden auf Sylt aber nach wie vor hervorragend bedient – ob in den Restaurants führender Hotels wie dem Miramar oder in den vom Michelin ausgewählten Edel-Lokalen. Denn neben dem „La Mer“ haben sich der „Söl’ring Hof“ und das Fährhaus Munkmarsch zwei Sterne gesichert. Über einen Stern können sich das „Spices“, das zweite Restaurant im A-Rosa, das „Landhaus Stricker“ und das „Kai 3“ freuen.

Nächstes Jahr gibt’s wieder Michelin-Sterne – wenn’s dann weniger als sieben für Sylt sind, wird das die Touristikbranche nicht freuen.