Sylt will auf Elektroautos umsteigen

Sylt hat ein Problem. Mindestens eins: Deutschland berühmteste Insel quillt nämlich vor allem in der Sommersaison und an Wochenenden förmlich über vor Autos. Die Strandparkplätze sind dann vollgeparkt, viele Gehwege dicht und auf den wenigen Straßen herrscht Stoßverkehr. Viele Gäste bringen ihre Autos per Bahntransport vom Festland mit. Und wer nicht seinen eigenen fahrbaren Untersatz dabei hat, leiht sich einen Wagen bei einer örtlichen Autovermietung.

Schmutziger Autoverkehr

Es sind nicht nur viele Autos, die sich auf der kleinen Insel drängen, sondern häufig auch noch besonders großformatige: SUVs, Limousinen, Sportwagen. Viele Gäste wollen eben auch im Urlaub nicht auf ihre mobilen Statussymbole verzichten. Das Problem: Diese Luxusschlitten verursachen nicht nur Staus, sondern machen auch Schmutz. Luftmessungen haben ergeben, dass durch den Autoverkehr auf Sylt zu viele Rußpartikel ausgestoßen werden. Das könnte sogar irgendwann den Status als Seeheilbad gefährden. Schließlich kommt man nicht nur auf die Insel, um zu sehen und gesehen zu werden, sondern um sich an frischer, schadstofffreier Luft zu erholen. Daher fängt die Gemeinde Sylt jetzt an umzusteuern.

Ladestation am Strand

Sylt will in die Elektromobilität umsteigen, um die Luftverschmutzung zu begrenzen – und sicher auch, um sich ein grünes, klimafreundliches Image zu geben. Erste Ladesäulen für Elektroautos gibt es bereits, gedacht wird auch an Photovoltaikdächer an den Strandparkplätzen, an denen Elektro-Mietwagen aufgeladen werden könnten. Ein Gutachten soll demnächst klären, wie man auf Sylt Elektromobilität umfassend einsetzen könnte und was sie kosten würde. Die üblichen Gegenargumente gegen Elektroautos verpuffen auf Sylt – die kurze Reichweite der E-Autos dürfte auf der Insel jedenfalls kein Hindernis darstellen. Schließlich beträgt die längste Distanz – von List im Norden bis in den Süden nach Hörnum – gerade einmal 35 Kilometer. Und Hochgeschwindigkeitsstrecken gibt es auf Sylt auch keine. Bleibt die spannende Frage, ob der typische Sylt-Besucher seinen schweren Spritschlucker gegen einen leichten Elektro-Mini tauschen würde. Das Argument, Strom ist billiger als Benzin, verfängt wohl nicht. Aber vielleicht die Einsicht in die Tatsache, dass Sylt unmittelbar vom Klimawandel bedroht ist. Ein kleiner Beitrag dagegen könnte das Elektrowägelchen sein.

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