Sylter Algen – das Gemüse aus dem Meer

Auf Sylt gibt es Algen nicht nur im Meer, sondern aus dem Labor. In der Lister Algenfarm züchtet ein Wissenschaftler seit Jahren das Meeresgemüse – nicht nur aus Spaß am Experiment. Das dezent glitschige Gewächs kommt in Sylter Spitzenrestaurants auf den Tisch.

Bei ungünstiger Wind- und Wetterlage säumen sie das Ufer und vermiesen den Gästen den Badespaß. In der Sonne getrocknet entfalten sie meist einen intensiv fischigen Geruch – nicht jedermanns Geschmack. Algen am Strand sorgen für Unmut beim Urlauber. Dabei sind die grünbraunen Dinger aus dem Meer überaus nützlich – und nahrhaft. In Asien stehen Algen längst überall auf der Speisekarte, bei uns gilt Seetang nicht gerade als Delikatesse.

Die ideale Alge

Professor Dr. Klaus Lüning schickt sich an, das Image der Alge aufzupolieren. Seit 2006 arbeitet der pensionierte Meeresbotaniker in seiner Lister Algenfarm auf dem Gelände von Dittmeyers Austern-Compagnie an der idealen Alge. Lüning züchtet in 14 Kunststofftanks Braun- und Rotalgen, die roten für die Kosmetikindustrie, die braunen als Nahrungsmittel.

„Kombu Royal“ nennt Lüning seine Tang-Schöpfung aus dem Tank. Nahrhaft ist sie, denn sie enthält Jod, lebenswichtige Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Der Geschmack ist laut Lüning „neutral, nicht unangenehm.“

Der Professor beliefert mit seiner „Kombu Royal“ mittlerweile mehrere Sylter Betriebe. Zu den Abnehmern gehören eine Bäckerei, ein Teehaus, die Sylter Seifenmanufaktur und das Syltness-Center, das die Dinger getrocknet für Thalasso-Anwendungen einsetzt.

Algen auf Sylter Speisekarten

Außerdem landen die königlichen Braunalgen in der Küche von Sternekoch Jörg Müller und bei Hannes Steensbeck, Küchenchef im „Strönholt“. Müller verwendet die Alge als Zutat in seinem Fischersalat, Steensbeck kredenzt seine Friesenrolle auf Algensalat. Gut möglich, dass demnächst noch mehr Algen in Sylt aufgetischt werden. Denn Steensbeck bastelt an einem kompletten Algen-Menü.

Das stellt Professor Lüning vor ein weiteres Problem. Denn schon jetzt ist die Nachfrage nach dem Meeresgemüse höher als der Ernteertrag. Aber Lüning hat schon eine Idee: Algenproduktion im großen Stil irgendwo an der dänischen oder norwegischen Küste. Denn vor Sylt geht das mit der Zucht nicht: Aquakulturen sind im Nationalpark Wattenmeer verboten.