Sylter Brauchtum: So begrüßten schon die alten Friesen das neue Jahr

Der Jahreswechsel auf Sylt: Für alteingesessene Insulaner ist er weitaus mehr als feiern, essen und trinken! Am Silvestertag finden verschiedenste Veranstaltungen statt – bei vielen davon geht es um die Pflege alten Brauchtums. Besuchern vom Festland muten diese mitunter vermutlich etwas sonderbar an: Für die Sylter gehören sie jedoch einfach dazu.  

Seltsame Gestalten unterwegs

Wer am 31. Dezember auf der Insel unterwegs ist, sollte sich nicht wundern, wenn ihm, vor allem in den Dörfern von Sylt-Ost, merkwürdig verkleidete und maskierte Gestalten begegnen. Hier handelt es sich nicht um Vorboten launiger Karnevalssausen, sondern um einen jahrhundertealten Brauch! Dabei ziehen kleine Gruppen maskierter Kinder und Erwachsener von Haus zu Haus und tragen, in Lied- oder Gedichtform und in friesischer Sprache, eine Art lokalen Jahresrückblick vor. Da werden Inselanekdoten zum Besten gegeben und Seemannsgarn gesponnen: Zuhören ist ein Muss. Die Kleinen werden dafür mit Süßigkeiten belohnt – die Großen mit Hochprozentigem. In den vergangenen Jahren wurden in den Inseldörfern etwa 60 Maskenläufer aus allen Altersklassen gesichtet.  

Hoch zu Ross das Jahr verabschieden

Der Altjahresumritt: Auch er ist ein fester Bestandteil Sylter Jahreswechseltraditionen. Schon seit dem 18. Jahrhundert ziehen am Silvestertag Reiter von Hof zu Hof durch die Dörfer um überall einen kurzen Besuch abzustatten und einmal nach dem Rechten zu sehen. Auch dafür werden die Reitersleute natürlich mit allem versorgt, was Leib und Seele gut tut: Es wird gegessen, getrunken und gern auch ein kleines Schnäpschen in den Sattel gereicht. Noch heute sitzen etwa 20 Reiter oft viele Stunden auf dem Pferderücken und traben bis zu 50 Stationen an. 

Wer lieber auf eigenen Beinen eine Runde über die Insel laufen möchte, bekommt übrigens auch dazu Gelegenheit: Der TSV Westerland lädt große und kleine Aktive am 31.12. wie immer um 14.00 Uhr zum traditionellen Silvesterlauf ins Sylt-Stadion ein. Glücklicherweise geht es hier nicht um Platzierungen, Ruhm und Ehre, sondern allein um den Spaß an der Bewegung. Dabei sein ist alles!