Sylter Deiche halten: Die Herbststürme können kommen

Mit dem Herbsts kommen die Stürme. Für den Sylt-Urlauber kann ein windumtoster Spaziergang ein unvergessliches Erlebnis sein, für die Insel aber hat ein kräftiger Herbststurm nicht nur schöne Seiten. Die Naturgewalten nagen unablässig an der Insel. Schon seit Jahrhunderten kämpfen die Sylter um ihren festen Grund und Boden. Waren es früher vereinzelte, teilweise verheerende Sturmfluten, die Strand, Dünen, und Häuser wegspülten, sorgen heute steigender Meereswasserspiegel und vermehrte Stürme für immer größere Probleme beim Küstenschutz. Dabei setzen Wind und Wellen der Insel nicht nur dort zu, wo die Brandung mehr oder weniger ungebremst auf die Küste prallt, nämlich an der Westküste. Gefahr droht Sylt eigentlich rundum.

Die Deiche halten

So sind etwa weite Teile der Ostküste am Wattenmeer durch Deiche gegen Hochwasser geschützt. Rechtzeitig vor der diesjährigen Sturmsaison wurden die Bauwerke eingehend von Fachleuten begutachtet. Vertreter des Landesamtes für Küstenschutz, der Gemeinde, des Landschaftszweckverbandes und des Deich- und Sielverbandes kamen dabei zu dem zunächst beruhigenden Ergebnis, dass es keine schwerwiegenden Schäden an den Sylter Deichen gibt. Der nächste Sturm kann also kommen, ohne dass gleich die halbe Insel absäuft. Die Anlagen bei Morsum, Archsum, am Rantumbecken und anderswo sind gut in Schuss. Hier und da muss ein Entwässerungsraben verbreitert oder ein Brückchen erneuert werden – das war’s.

Die Westküste bröckelt

Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Die im Herbst und Winter sturmgepeitschte Westküste der Insel ist nahezu ungeschützt den Naturgewalten ausgesetzt. Experten schätzen, dass Sylt bereits bis Mitte des 21. Jh. erhebliche Landverluste erleiden wird. Trotz enormer Anstrengungen: Jedes Jahr im Frühjahr wird Sand am Strand aufgespült, um die Verluste der Sturmsaison wieder auszugleichen. Die Sandvorspülungen kosten ca. 10 Millionen Euro pro Jahr und stellen derzeit die einzige wirksame Maßnahme zum Küstenschutz dar. Eine Maßnahme, die mehr Reaktion als Aktion ist. Steigen Wasserspiegel und Sturmtätigkeit wie prognostiziert, nimmt sich die Natur demnächst nicht nur den Strand, sondern frisst sich in die Insel hinein. Und das kann keine Sandvorspülung mehr ausgleichen.