Sylter Kirche wird zur “Arche Wattenmeer”

Was macht man mit einer Kirche, die nicht mehr als Gotteshaus dient? Auf Sylt gibt es dafür eine Antwort: Die ehemalige katholische Kirche Sankt Joseph wird in ein Nationalpark-Infozentrum umgewandelt.

Ausstellung statt Gottesdienst

Das katholische Erzbistum hatte die St. Josef-Kirche im Süden der Insel 2008 geschlossen und entwidmet. Die Gemeinde konnte die Kosten von jährlich 330 000 Euro nicht mehr aufbringen. Neben der zentralen St. Christophorus-Kirche in Westerland unterhält die Kirchengemeinde Sylt noch die St. Raphael-Kirche im nördlichen List. Die St. Josef-Kirche ist zwar noch im Besitz der Gemeinde, wird aber nicht mehr als Kirche genutzt. Jetzt hat das 1962 errichtete Gebäude einen neuen Verwendungszweck gefunden: Noch in diesem Sommer zieht der Verein Schutzstation Wattenmeer in die ehemals heiligen Räume, um dort ein Infozentrum zum Nationalpark Wattenmeer einzurichten.

Schöpfung bewahren, Verantwortung übernehmen

In der großen Ausstellung des Projekts “Arche Wattenmeer” sollen Sylt-Besucher künftig für die Schönheit des seit 2009 als UNESCO-Welterbe anerkannten Wattenmeers begeistert werden. Unter dem Motto „Schöpfung bewahren, Verantwortung übernehmen“ soll es im Infozentrum Aquarien mit Meeresbewohnern, Experimentierecken für Kinder und ein großes Holzschiff geben. Unter den insgesamt 20 Stationen und Informationszentren zum Thema Wattenmeer an der deutschen Nordseeküste wird die Sylter Kirche künftig das größte Besucherzentrum werden.

Prominente Eröffnungsgäste

Der Umbau soll etwa 1 Million Euro kosten, die Eröffnung ist für den 3. Juli geplant. Dazu hat sich schon hoher Besuch angesagt: Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, ein Bischof der Nordkirche und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig werden zur Premiere der „Arche“ auf der Insel erwartet.
Die Kirche bleibt weiterhin Eigentümer der Immobilie. Ein Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Verein schreibt die Nutzung der Sankt-Joseph-Kirche für die nächsten 30 Jahre fest. Damit bekommt Sylt eine weitere Attraktion – und das Haus hoffentlich mehr Besucher als in den Zeiten, als es noch eine Kirche war.