Sylter Klimatherapie

Gut möglich, dass Sie bei Ihrem nächsten winterlichen Strandspaziergang ein gutes Dutzend Frauen treffen, die sich in die eiskalten Fluten der Nordsee stürzen. Bei Lufttemperaturen um die null Grad und auch noch ohne Badekleidung. Verrückt? Nein, gesund.

Salzwasser und Seeluft

Die wohltuende Wirkung des Meeres und der Seeluft auf Psyche, Haut und vor allem die Atemwege ist allgemein bekannt. Viele Kur- und Wellnesseinrichtungen machen sich das gesunde Küsten-Klima zunutze und machen Anwendungen draus – Thalassa zum Beispiel funktioniert nur am Meer und mithilfe von Salzwasser, Seeluft, Algen, Schlick und Sand. Thalasso kann sehr wirkungsvoll sein, ist in jedem Fall aber eine teure Angelegenheit.

Auf Sylt geht es auch anders: Anja Becker, Gesundheitspädagogin und stellvertretende Leiterin des Mutter-Kind-Gesundheitszentrums in Westerland, hat eine ganz eigene Art entwickelt, sich die guten Eigenschaften des rauen Inselklimas zunutze zu machen. Sie scheucht ihre Patientinnen jeden Tag splitterfasernackt in die Nordsee – bei jedem Wetter, auch wenn Eisschollen auf den Wellen treiben.

Die aktive Klimatherapie

Anja Becker nennt das “aktive Klimatherapie”. Zum Programm gehören neben dem täglichen Bad in der Nordsee Gymnastik in der Brandungszone, Luft- und Sonnenbäder. Die nachgewiesenen Wirkungen nach mehrwöchiger Behandlung: Das Atemvolumen verdoppelt sich, die Durchblutung der Gefäße wird erhöht, der Stoffwechsel angeregt. Die Frauen freuen sich über eine straffe, gut durchblutete Haut und – beabsichtigter Nebeneffekt – und gehen auch seelisch gestärkt nach Hause. Das Seeklima könne sogar gegen Depressionen helfen, hat Anja Becker beobachtet.

Wer die Klimatherapie in eigener Regie betreiben will, kann mit kleinen Schritten anfangen. Wichtig ist die tägliche Bewegung an frischer Luft, jeden Tag ein bisschen mehr. Auch mit dem Baden sollte man es nicht überstürzen. Erst werden nur die Füße eingetaucht, dann wagt man sich von Tag zu Tag tiefer in die Fluten. Die Therapie lässt sich auch zu Hause fortsetzen, ohne Meer. Versuchen Sie doch mal, barfuß durch Ihren verschneiten Garten zu gehen.

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