Sylter Legenden: Buhne 16

Seit langer Zeit ist die Insel Sylt ein magischer Anziehungspunkt für Künstler und Prominente: Hermann Hesse, Emil Nolde, Stefan Zweig und Marlene Dietrich urlaubten hier schon in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Thomas Mann schrieb 1928 ins Gästebuch der Kampener Künstlerpension „Kliffende“: „An diesem erschütternden Meere habe ich tief gelebt.“ Besonders das kleine Kampen entwickelt sich zu Zeiten der Weimarer Republik zu einer Künstlerkolonie.

„Badehose runter, Gunter“

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es gut 20 Jahre, bis Kampen wieder „in“ war. Hauptakteur: Gunter Sachs. Unternehmenserbe, Millionär, Fotograf, Kunstsammler, Playboy. Begleitet von seiner damaligen Ehefrau, dem französischen Sexsymbol Brigitte Bardot, sonnte sich Sachs am liebsten am Sylter Strandabschnitt Buhne 16, dem berühmtesten FKK-Strand Deutschlands. 

In seinen 2005 erschienenen Memoiren schrieb Sachs: „Ich lag auf Sylt an Buhne 16, dem Strand für alle sonnenhungrigen Nackten der Republik. Trotz der Transparente ,Badehose runter, Gunter‘ behielt ich meinen Lendenschurz an.“ 

So viel Zartgefühl legte nicht jeder Gast an den Tag. Nackt zu baden und sich am Strand zu aalen galt schon fast als obligatorisch, auch für die prominenten Inselbesucher. Zum Verdruss wieder anderer Sylt-Gäste. Romy Schneider etwa moserte: „In jeder Welle hängt ein nackter Arsch.“ Sie kam nie wieder nach Sylt. 

Döschewo neben Mercedes 600

Aber die überwältigende Mehrheit bleibt der Insel und Buhne 16 treu. Getreu dem Motto „In der Badehose sehen alle gleich aus“ kommen Namenlose und Berühmtheiten, auf dem Parkplatz vor dem Zugang zum Strand stehen Döschewos neben Mercedes 600ern. Hans-Dieter Tölke war damals Taxifahrer auf Sylt: „Die ließen die Hüllen im Wagen, hüpften über die Düne und hatten nur noch ihr Kofferradio an.“

Kampen hieß jetzt Saint-Tropez des Nordens, die Straße Strönwai Whiskymeile, die Disco „Pony Club“ wurde zum Feiermekka der Hautevolee. Zu den Gästen gehörten Curd Jürgens, Heinz Rühmann, Axel Springer, Harald Juhnke und die ehemalige persische Kaiserin Soraya.

Heute kann an der Buhne 16 immer noch nackt gebadet werden, auch einen textilen Strandabschnitt gibt es. Der internationale Jetset ist weitergezogen, das Publikum eine bunte Mischung: Surfer kommen ebenso hierher wie Familien mit Kindern. Das Strandbistro „Buhne 16“ bietet relaxte Beach-Club-Atmosphäre, Getränke können gern mit an den Strand genommen werden. Und mit einem Gläschen Weißwein in der Hand lässt es sich im Strandkorb herrlich der wilden, alten Zeiten gedenken.