Sylter Meersalz

Meersalz aus der Nordsee gewinnen? Das schien bislang unmöglich. Aber ein findiger Sylter Gastronom hat einen Weg gefunden, der Natur das weiße Gold abzuringen.

Der Salzgehalt der Nordsee ist auf jeden Fall ausreichend, um Salz zu produzieren. Er liegt nämlich nur geringfügig unter dem Salzgehalt des Mittelmeers, wo schon seit der Antike Salz gewonnen wird. Aber anders als am Mittelmeer scheint die Sonne an der norddeutschen Küste nicht kräftig genug, um das Meerwasser in einer Saline verdunsten zu lassen und Salz zu ernten. Sylter Meersalz – eine pure Spinnerei also?

Der Trick mit der Indoor-Saline

Alexandro Pape, Sternekoch im Munkmarscher Restaurant “Fährhaus”, ließ sich durch die klassischen Gegenargumente jedoch nicht entmutigen und tüftelte mit dem Ingenieur Nicolas Heyn an einer Lösung: Die Salz-Männer errichteten eine Indoor-Saline und imitieren mit Sonne, Wind und Wärme südeuropäische Bedingungen – schließlich soll das Salz nicht gesiedet, sondern durch das Verdunsten von Meerwasser gewonnen werden.

Diese Anlage steht nun in List, in einer Halle an der Straße zum Hafen, in Nachbarschaft zu Dittmeyers Austern-Compagnie, die bereits über einen Meerwasseranschluss verfügt. Sylter Meersalz soll das fertige Produkt getauft werden, in der Produktionsstätte namens “Sylter Meersalzmanufaktur” werden nach den Wünschen der Betreiber zunächst etwa 50 Kilogramm Salz pro Tag gewonnen. Wenn alles rund läuft, sollen es sogar irgendwann 70 Kilo am Tag sein.

Luxus-Salz

Die chemischen Analysen des Sylter Meersalzes haben einen erstklassigen Mix der wichtigen Inhaltsstoffe ermittelt, insofern ergänzt das weiße Gold recht gut das inseltypische Angebot an Luxus-Lebensmitteln von Austern bis Wein. Entsprechend hochwertig soll das weiße Gold verpackt werden. In einer Auster aus Silber, in Serie gefertigt von Robbe & Berking in Flensburg, soll das Salz in den Handel kommen. Die Produktion wird voraussichtlich im Mai 2013 starten.

Anzunehmen, dass das knappe und exklusive Inselprodukt in Windeseile zum Verkaufsschlager wird.

Foto: Kati Molin