Sylter Reet – eine begehrte Ware

Typisch Sylt: Hinter jeder Düne, in jedem Dorf von List bis Hörnum stehen die hübschen reetgedeckten Häuser. Mal eine Kate, manchmal auch auch ausgewachsene Paläste. Der Stoff, mit dem die Hausdächer gedeckt werden, stammt oft von der Insel. Nicht in jedem Fall, aber es gibt auf der Insel Bauern, die auf ihren Feldern noch Reet anbauen.

Mühsame Ernte

Erntezeit ist von November bis März. Die langstieligen Halme brauchen Frost und Windstille, denn sind sie hartgefroren und nicht umgeweht, sind sie leichter zu schneiden. Die Ernte ist mühsam, der Ertrag gering. Ist die Ernte eingefahren, wird das Reet gebündelt und gesäubert – in Handarbeit. Kein Wunder, dass so ein Reetdach schnell Unsummen verschlingt. Pro Hektar schaffen die Sylter Reetbauern etwa 1000 Bund. Das klingt viel, reicht aber gerade mal für ein kleines Dach.

Die Nachfrage nach Sylter Reet übersteigt das Angebot bei Weitem. Denn Sylt ist klein und die Anbauflächen sind entsprechend bescheiden dimensioniert. Das Sylter Reet ist begehrt bei Hausbesitzern. Es ist optimal auf die klimatischen Bedingungen an der Küste angepasst und ist haltbarer als die Importware aus Rumänien, Ungarn oder China. Ein Dach aus Sylter Reet hält so ungefähr 50 Jahre, sagen Fachleute – das sperrige Zeug ist also eine echte Lebensinvestition für jeden Hausbesitzer.

Ein sicheres Dach überm Kopf

Reet auf dem Dach sieht nicht nur hübsch aus, es ist auch ungeheuer praktisch. Es ist atmungsaktiv, reguliert die Feuchtigkeit, wärmt im Winter und kühlt im Sommer. Und Reet kann noch mehr: Es isoliert gegen Lärm, ist frostbeständig und frei von Chemie. Zudem reagiert es elastisch auf den starken Druck, den die Winde auf der Insel manchmal ausüben. Ziegel würden da einfach wegfliegen, aber das Reet flattert nur ein wenig und bleibt, wo es hingehört. Damit die Sylter auch in den größten Stürmen ihr Dach überm Kopf behalten.

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