Sylter Trachten

Traditionelle Kleidung ist heute im Alltag im Grunde gar nicht mehr zu finden… es sei denn, man betrachtet den Business-Anzug des Geschäftsmannes oder den weißen Kittel einer Ärztin als „Tracht“. Heutzutage versucht jeder Mensch, sich so individuell wie möglich zu kleiden, es sei denn, er ist gezwungen, sich beruflich auf sehr spezielle Art und Weise zu präsentieren.

Trachten und ihre Geschichte

Die Trachten vergangener Tage erlauben uns einen interessanten Einblick in die Lebenswelt der Bewohner einer Region, ihren Wohlstand, ihre Traditionen. Und noch mehr! Denn Trachten erlaubten auch Rückschlüsse auf den Status des Trägers. Verheiratet oder ledig? Reich oder arm? Wieviel Grundbesitz? Ja sogar die Frage, ob der Gatte derzeit anwesend ist, oder vielleicht auf hoher See, ließ sich mit einem Blick auf die Tracht einer Seemannsgattin erkennen.

Ihre Blüte erlebten Trachten im 18. Jahrhundert. Die Seefahrt und der Waalfang brachten einen gewissen Wohlstand nach Sylt und sofort wurden die Stoffe der Trachten edler, die Farben prächtiger. Da trugen Männer schon mal Samt und Seide, Frauen ließen sich bei der Hochzeit Goldmünzen an das Hochzeitskleid nähen. Doch schon wenig später setzte ein neuer Kleidungstrend ein. Massenkonfektion löste die alte Tracht ab und so geriet sie immer mehr in Vergessenheit.

Wir Sylter hatten Glück. Nachdem die traditionelle Frauentracht mehrere Generationen lang „verschollen“ war, wurde Mitte der 70er Jahre ein Exemplar auf einem Dachboden gefunden. Der Fund erlaubte es den Trachtengruppen der Insel, endlich originalgetreue Modelle zu schneidern und sich tatsächlich wieder so zu kleiden, wie die Sylter von einst.

Die ursprünglichste Form der Sylter Festtagstracht für Frauen ist seit 1579 in Bildern nachgewiesen. Der Name „Broket Kaartel“ steht für „buntes Kleid“, wobei es unterschiedliche Kleidungsstücke für junge Mädchen und erwachsene Frauen gab.

Die Bestandteile der Sylter Tracht für Frauen

Ruar Kaartel. Das rote Kleid wurde zum Abendmahl und bei Begräbnissen getragen.
Broket Kaartel: Ein festliches, buntes Kleid zu besonderen Anlässen. Kehrte beispielsweise der Ehemann von See zurück, wurde er so empfangen.

Gulet Kaartel: Das goldene Kleid wurde zur Hochzeit getragen und natürlich weitergereicht.

Kardem: Ein schwarzes Kleid für „normale“ Sonntage.

Siist: Ein Pelzrock für kalte Tage.

Lenensmok: Ein kragenloses Gewand aus weißem Woll- oder Leinenstoff, welches unter dem Kleid getragen wurde, wenn es kalt wurde.

Hüüv: Eine schwarzsamtene Haube mit goldenen Knöpfen. Die Version für Mädchen weicht ab von der Kopfbedeckung für erwachsene Frauen.

Ende der 1920er Jahre entwarfen Frauen aus Wenningstedt auch eine blaue Tracht, da das Broket Kaartel nicht mehr aufzufinden war. Die Farbe blau erinnert an das Meer, rote Elemente an die verschollene Tracht.

Die Männertracht war insgesamt weniger abwechslungsreich aber durchaus stattlich. Sylter Herren kleideten sich wie höhere Schiffsoffiziere beim Landgang, oft mit einem Dreispitz als Kopfbedeckung.

Trachtengruppen auf der Insel halten die Traditionen am Leben. Trauen Sie sich und sprechen Sie die Mitglieder der Gruppen ruhig einmal an. Sie werden Ihnen zahlreiche spannende und überraschende Details über ihre Kleidung erzählen können.