Von der Fischbude zum Krabbenimperium - Jürgen Gosch zeigt, wie's gemacht wird

Jürgen Gosch ist so etwas wie der König von Sylt – auf der Insel gibt es vermutlich niemanden, der sein Seebärengesicht nicht kennt. Seit fast fünf Jahrzehnten ist er im Geschäft und hat es vom kleinen Maurerlehrling, der in der Mittagspause und nach Feierabend Aale an Touristen verkaufte, zum millionenschweren Gastronomiegiganten gebracht. Seine Fischhandelskette Gosch Sylt ist längst in der ganzen Republik zu Hause: 34 Restaurants und Imbissbuden spülen dem bärtigen Selfmademan heute zwischen List und dem Münchner Hauptbahnhof Geld in die Kasse.

Erfolg mit Meeresgetier

900 Mitarbeiter und ein täglicher Absatz von rund fünf Tonnen Lachs, Matjes, Seezungen, Krabben, Kabeljau und Heringen aus der eigenen Fischfabrik – bei Jürgen Gosch wird eher geklotzt als gekleckert. Sein Unternehmen mit dem roten Hummer im Logo zählt denn inzwischen auch zu den 100 bekanntesten Marken Deutschlands. „Ein Unternehmer muss seine Chancen erkennen und nutzen“, so der Krabbenkönig. Und obwohl er anfangs eigentlich gar keine Chance hatte, hat er sie trotzdem genutzt. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen im friesischen Tönning, muss der Kleine schon im Alter von vier Jahren dabei helfen, mit Krabbenpulen das Familieneinkommen zu verbessern. Etwa 20 Pfund schafft er täglich, und etwa 40 Mark landen dadurch wöchentlich in der Haushaltskasse. Frühes Training übt – etwa 40 Jahre später bringt Jürgen Gosch es tatsächlich zum offiziellen Krabbenpul-Weltmeister.


Schon als Jüngling gut im Geschäft

Nach der Hauptschule lernt er Maurer. Im Rahmen seiner Tätigkeit immer wieder auf Sylt unterwegs, stellt er dort schon früh fest, dass es zwar überall frische Krabben gibt, die Touristen aber immer wieder nach Räucheraal fragen. „Klare Marktlücke“, denkt sich der Friese und schließt diese denn auch. Die Investition von 20 Mark in einen Korb mit 50 Aalen aus einer Husumer Räucherei lohnt sich – schon am ersten Tag ist das Geld wieder drin und Jürgen Gosch mit Mitte 20 Jungunternehmer ohne Schulden. Den Maurerjob gibt er daraufhin auf und zieht von nun an lieber als Aal-Jürgen mit einem Bauchladen über die Insel. Von nun an ging es nur noch bergauf: In den Siebzigerjahren ersteht er seine erste eigene Fischbude („Frisch aus dem Rauch, schon in den Bauch“) – sie soll die „Nördlichste Fischbude Deutschlands“ werden. Hier steht er jeden Tag, macht deftige Sprüche, erfindet immer wieder neue Fischbrötchen und avanciert zum Liebling der Insel. Ein Restaurant nach dem anderen eröffnet, eine Fischbude nach der nächsten.

Ab 1992 vergibt Jürgen Gosch zunehmend neue Standorte in Franchise-Lizenz – bis heute sind es 25 Betriebe, darunter sogar Restaurants auf vier Kreuzfahrtschiffen. Gosch fährt also um die ganze Welt – während der Meister mit mittlerweile 75 Jahren immer noch hinter der Theke eines seiner Sylter Fischparadiese steht.