Was das australische Hahndorf mit Sylt zu tun hat

Was das australische Hahndorf mit Sylt zu tun hat

Hahndorf in Australien: ein beschauliches 1.800-Seelen-Örtchen in der Nähe von Adelaide in South Australia – und ein echter Touristenmagnet. Denn hier ließen sich seinerzeit einige der ersten deutschen Siedler auf dem „Fünften Kontinent“ nieder. Ihr Land verdankten sie einem Kapitän von der Insel Sylt: Dirk Meinerts Hahn. 

Hahn erblickte 1804 als Sohn eines Kapitäns in Westerland das Licht der Welt. Sein Vater sorgte dafür, dass aus dem ursprünglichen Berufswunsch des kleinen Dirks nichts wurde: Der wollte nämlich Geistlicher werden, musste aber nach väterlichem Vorbild zur See fahren. Im Alter von 16 Jahren war Hahn fünf Monate lang von Hamburg nach Barcelona unterwegs, mit 18 Jahren bestand er das Steuermannsexamen. 

Im Sommer 1838, Hahn war gerade Vater geworden, hatte sein Reeder eine spezielle Ladung für Hahns Fregatte „Zebra“: 199 Glaubensflüchtlinge aus Brandenburg, die ihre Heimat verlassen mussten, nachdem sie sich einer Verfügung von König Friedrich Wilhelm III. widersetzt hatten.  

Eine außergewöhnliche Fracht

Als „merkwürdigsten Gegenstand meiner Laufbahn“ bezeichnete Hahn diese Fracht und wollte sie eigentlich nur schnell wieder loswerden. Aber sein Mitgefühl gewann die Oberhand: Als sich auf der viermonatigen Reise Skorbut unter den Passagieren breitmachte, servierte Hahn ihnen Sauerkraut und Kartoffeln, dazu ließ er ein Schwein aus seinem privaten Proviant schlachten und verteilte auch dieses unter den darbenden Brandenburgern. Trotzdem überlebten zwölf von ihnen die lange Reise nicht. Die restlichen 187 erfreuten sich dafür „blühender Gesundheit“, wie Hahn in seinen Aufzeichnungen notierte.

Am 28. Dezember 1838 hatte Kapitän Dirk Meinerts Hahn sein Ziel erreicht – die Holdfast Bay vor Adelaide. Aber ein weiteres Mal war seine Barmherzigkeit gefragt: Die Passagiere wirkten in dem fremden Land auf ihn „wie verlorene Schafe ... mit der englischen Sprache unbekannt ... und dem Spiel des Schicksals unterworfen.“ Im nahegelegenen Onkaparinga-Tal suchte Hahn für seine Schützlinge ein Stück Land aus und ließ einen Pachtvertrag aufsetzen. Aus Dankbarkeit nannten die Siedler ihre neue Heimat Hahndorf. Heute erinnert in der Ortsmitte eine Büste mit der Aufschrift „Zum Gedenken an Dirk Meinerts Hahn“ an den Sylter Kapitän. Deutsche Bäckereien und Fleischereien halten mit ihren Waren die Traditionen ihres Herkunftslandes aufrecht, ebenso wie das jährliche, über die Grenzen der Region hinaus bekannte Schützenfest.

Guter Mensch, böses Ende

Doch während die Auswanderer im fernen Australien ihr Glück fanden, war ihrem Wohltäter keines beschieden: Er starb „im Alter von 56 Jahren, 6 Monaten und 6 Tagen an Säuferwahnsinn“, wie ein Sylter Chronist es ausdrückte.Hahns Grabstein steht noch heute an der Ostwand der alten Dorfkirche St. Niels in Westerland. Inschrift: „Die Guten sterben nie“.