Was für ein Jahrgang – Traubenlese im Sylter Nordseewind

Alles vermutet man auf der Nordseeinsel Sylt– nur keinen Weinanbau. Genau den gibt es aber: Auf dem nördlichsten „Weinberg“ Deutschlands liegt die Heimat des Sylter „Sölviin“. Die Hobbywinzer Olaf Klein und Henning Lehmann nehmen dort mit zahlreichen Erntehelfern gerade die diesjährige Lese der Trauben vor – ein für Norddeutschland mehr als ungewöhnliches Unterfangen.

Aus Liebe zu guten Tropfen

Am Anfang war es nur eine verrückte Idee: Gemeinsam mit der Sommelière Birgitta Quendler gründeten Unternehmer Klein und Architekt Lehmann 2008 die Sylter Weinbau GbR und pflanzten knapp 3.000 Rebstöcke der Weißweinsorte „Solaris“ auf einer vordem als Acker genutzten Fläche gegenüber der Keitumer Kirche St. Severin an. Die ersten Ernten waren erwartungsgemäß dürftig – der Spaß an der Sache und einige wenige Gläser des guten Tropfens für den Hausgebrauch machten den damit verbundenen Aufwand jedoch wieder wett. In den folgenden Jahren packte die beiden Hobbywinzer der Ehrgeiz: Sie schafften es, die Ernteerträge immer weiter zu steigern. Für dieses Jahr rechnen sie mit einer deutlich höheren Ausbeute – erwartet wird mindestens ein Drittel mehr Trauben als 2014. Dies verdanken Lehmann und Klein nicht zuletzt der Installation einer Netzanlage, die die noch zarten Rebstöcke sowohl vor dem scharfen Westwind als auch vor Kaninchen und Fasanen schützt.

Erschwerte Bedingungen

20 Erntehelfer sind in diesem Jahr im Einsatz, ganze 7.000 Quadratmeter gilt es zu bearbeiten. Dabei muss man schon sehr gute Augen haben, um die grünen Trauben zwischen den grünen Blättern überhaupt zu entdecken – bei Rotweinsorten eine deutlich einfachere Aufgabe. Nach der Ernte werden die Trauben in Westerland weiterverarbeitet. Zunächst kommen sie in eine Abbeermaschine, wo die Beeren von den Stielen getrennt werden. Danach wird die Maische entsaftet und der Most in Gärtanks gefüllt. Weil er im Anschluss noch sechs Wochen auf der Insel verbleibt, darf der „Sölviin“ auch die Bezeichnung „Schleswig Holsteiner Landwein“ tragen. Mit einem Alkoholgehalt von zehn Prozent erreicht er einen optimalen Wert. Hobbywinzer Lehmann freut sich sehr – 1.000 Flaschen „Sölviin“, doppelt so viele wie 2014, erwartet er in diesem Jahr. Wohl bekomms!