Wein aus Sylt: Edler Stoff für besondere Anlässe

Sylt zählt nicht zu den klassischen Weinanbaugebieten Deutschlands. Dennoch gibt es gleich zwei „Weinberge“ auf der Insel – ein kleiner Teil der überschaubaren 2012er-Ernte steht mittlerweile im Laden.

Der erste Wein ist da

Wein aus Sylt? Als Schleswig-Holstein vor vier Jahren das Recht bekam, Wein anzubauen, pflanzten geschäftstüchtige Sylter postwendend die ersten Reben auf der Nordseeinsel. Nicht nur damals hielten viele das Projekt Weinanbau auf Sylt für eine echte Schnapsidee. Oder bestenfalls für einen Marketinggag. Nun ist der erste Sylter Wein da – und er kann getrunken werden.

Zwei Teams, eine Mission

Auf Sylt wetteifern gleich zwei Winzerteams um den edelsten Insel-Tropfen. Architekt Hennig Lehmann aus Tinnum tat sich mit der Sommelière Brigitta Quendler und dem Hobby-Landwirt Olaf Klein zusammen, um auf „Deutschlands nördlichstem Weinberg“ die Rebsorte Solaris anzubauen. Im September 2012 wurde geerntet, mittlerweile hat Lehmann den Rebensaft auf Flaschen gezogen und im Keller eingelagert. Dort bleibt er auch vorerst. Der Insel-Wein ist Stoff für besondere Anlässe, in den Handel gelangen die Flaschen vorerst nicht.

Ein Schlückchen Solaris

Die zweite Sylter Winzergemeinschaft beschreitet da andere Wege. Der Westerländer Weinhändler Martin Schachner holte den Winzer Balthasar Ress aus dem Rheingau ins Boot und beackert nun in Keitum einen Weinberg, oder besser einen Weingarten. Im vergangenen Jahr konnte Schachner knapp 300 Kilo Trauben ernten – ebenfalls von der Sorte Solaris. Anders als sein Konkurrent Lehmann lässt Schachner das interessierte Publikum an seiner Ernte teilhaben. Der Wein aus Keitum ist in seinem Laden zu haben. Wie es sich für Sylt gehört, in exklusiver Form. Fans können die limitierte Sammlerbox „Wine in Tubes“ für stolze 59 Euro erstehen. Inhalt der Box: drei sogenannte Tubes, schmale Glasröhrchen, mit je 0,1 Liter Wein – zwei edelsüße Dessertweine aus dem Rheingau und ein bisschen Wein von der Insel. Sylter Wein darf das Produkt allerdings nicht heißen, denn die auf Sylt geernteten Trauben wurden im Rheingau bei Ress verarbeitet und nicht in Schleswig-Holstein.

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