Weinanbau auf Sylt: Toller Sommer, satte Ernte

Der sonnenreiche Sommer an der Küste macht’s möglich: Die Sylter Winzer freuen sich über prallvolle Rebstöcke, eine gute Ernte und einen feinen Tropfen. 

Mehr Sonne als im Rheingau

Für viele Sylt-Besucher klingt es immer noch gewöhnungsbedürftig, aber es stimmt: Auf Sylt wird Wein angebaut. Seit 2009 bewirtschaftet der hessische Winzer Christian Rees einen „Weinberg“ in Keitum. Die Reben liegen nur wenige hundert Meter von der Nordsee entfernt und müssen Stürme und Salzuft erdulden – eine ungewöhnliche Lage für den Weinanbau. Aber Klimawandel und önologische Fachkenntnis machen es möglich, dass auch an der Küste, auf Deutschlands nördlichstem Weinanbaugebiet, die Trauben gedeihen. Dieses Jahr sogar besonders gut: Bis zur Lese am letzten Septemberwochenende bekamen die Trauben knapp 900 Sonnenstunden ab. Sylt kommt im gesamten Jahr sogar auf über 1700 Sonnenstunden – am Stammsitz von Winzer Rees im Rheingau sind es nur knapp 1600. 

Im vergangenen Jahr ernteten der Winzer und seine Helfer rund 800 Kilo Trauben auf Sylt, dieses Jahr etwa das Doppelte. Auch die Qualität der Trauben der widerstandsfähigen Sorte Solaris stimmt laut Rees: Der 2013er-Jahrgang erreichte stolze 80 Grad Oechsle, das hätte locker für einen Tropfen der Sorte Kabinett gereicht. Auch für den aktuellen Jahrgang erwartet der Winzer einen guten Sylter Weißwein.

Landwein aus Schleswig-Holstein 

Ein kleines Problem gibt es noch mit der Etikettierung des edlen Tropfens. Da die Sylter Trauben nicht in einem gesetzlich definierten Anbaugebiet wachsen, durfte das Gewächs nicht als Sylter Wein, sondern lediglich als „deutscher Wein“ deklariert werden. Das soll dieses Jahr anders werden. Wurde die Ernte des Vorjahres noch in das Stammhaus von Rees in das hessische Hattenheim zur Weiterverarbeitung transportiert, keltert der Winzer die Trauben des 2014er-Jahrgangs auf Sylt. Dazu hat Rees auf dem Gänsehof der Familie Petersen in Keitum eine Kelterstation eingerichtet, wo der Wein gekeltert und ausgebaut wird. Damit erwirbt der Sylter Winzer das Recht, im kommenden Jahr „schleswig-holsteinischer Landwein“ aufs Etikett seiner Flachen zu drucken.  

Trotz guter Ernte bleibt das Angebot an Sylter Wein aber knapp. Letztes Jahr wurden gut 700 Flaschen abgefüllt, dieses Jahr dürften es deutlich mehr werden. Aber immer noch viel zu wenige, um damit einen großen Handel aufzuziehen. Zunächst erhalten die über 500 Rebstockpächter ein Fläschchen, der Rest geht an ausgewählte norddeutsche Restaurants sowie exklusiv in den Weinhandel eines Keitumer Supermarkts.