Wenn Möwen zu Plagegeistern werden

Nordseebrandung und Möwengeschrei – das gehört auf Sylt zusammen wie Reet und Dach. Einige Sylter jedoch sind schwer genervt von den Vögeln – und versuchen die Tiere zu vertreiben.

Zu Hunderten kreisen die Möwen über Westerland. Vor allem am Strand und in den ufernahen Zonen der Stadt versammeln sie sich scharenweise – denn Westerland ist eine prima Futterquelle für die Raubvögel. Sie haben es jedoch nicht nur auf die Muscheln abgesehen, die die Nordsee an den Strand spült, sondern auch schon mal auf eine Eiswaffel in der Hand eines Gastes, auf liegengelassene Fastfood-Reste auf der Promenade oder auf überquellende Mülleimer. Ihre Raubzüge untermalen die Vögel gern mit dem charakteristischen Kreischen. Und das geht in den Augen und in den Ohren einiger Sylter zu weit.

Mit Technik gegen Möwen

Besonders wohl fühlten sich die Vögel auf dem Dach des Sylt Tourismus Service (ISTS) unweit des Hotels Miramar an der Westerländer Promenade. Auf dem großen Flachdach nisteten, brüteten und fraßen jahrelang Hunderte Möwen. Dreck, Lärm und Gestank nervten die ISTS-Mitarbeiter so sehr, dass die Verantwortlichen zu drastischen Maßnahmen griffen. Moderne Technik soll jetzt helfen, die Plagegeister zu vertreiben. Auf dem Dach wurden gleich mehrere Geräte installiert, die den Vögeln ihren Stammplatz vermiesen sollen: Vier Schalldruckgeräte sorgen durch – für menschliche Ohren nicht wahrnehmbare – Druckwellen für unangenehme Empfindungen auf dem Gefieder. Ein Lautsprecher sendet zusätzlich Warnrufe und Schreie von Greifvögeln aus. Und schließlich soll ein spezielles, auf dem Dach verteiltes Gel die Möwen durch einen ekligen Geruch abschrecken. Die ersten Erfahrungen sind positiv – für die Menschen. Denn seit dem Beginn der Maßnahmen fliegt kaum noch ein Vogel das Dach an.

Raubvögel-Töne aus dem Schuhkarton

Ganz ähnlich geht das Kommunale Liegenschafts-Management der Gemeinde Sylt gegen die Möwen vor. Um die Belästigung durch die Tiere auf den Dächern ihrer Wohngebäude einzudämmen, setzt die KLM ebenfalls Lärm ein. Aus schuhkartongroßen Kästen auf den Dächern dringen Schreie von Greifvögeln. Mit Erfolg: Die Möwen machen einen Bogen um die akustisch geschützten Häuser.

Die Bewohner der KLM-Häuser haben jetzt ihre Ruhe, der Tourismus Service ist die Plage vorerst los. Aber die Möwen sind damit nicht verschwunden. Sie setzen ihr Treiben nun an anderer Stelle fort. Und wo gibt es am meisten Futter auf Sylt? Überall dort, wo es viele Menschen gibt.