Wie Sylt seine Küste schützt

Sturm und Brandung nagen seit jeher an Sylt. Sichtbar wird das nach Sturmfluten, bei denen regelmäßig Teile der Insel für immer im Meer verschwinden. Aber auch ohne verheerende Orkane verliert die Insel beständig Substanz – jeder Windstoß trägt ein bisschen Sand davon. Das summiert sich auf etwa eine Million Kubikmeter Sand im Jahr.

Sylt wandert gen Osten

Seit Jahrzehnten kämpft Sylt daher gegen die Urgewalten und letztlich ums Überleben. Wind und Wasser zerren so heftig an der Insel, dass sie in den letzten 7000 Jahren um fast 13 Kilometer gen Osten verschoben wurde, jedes Jahr im Schnitt rund 1,8 Meter. Nach der schweren Sturmflut vom 24. November 1981, die zu erheblichen Küstenabbrüchen geführt hatte, beschloss die schleswig-holsteinische Landesregierung einen sogenannten Fachplan Küstenschutz, der die Maßnahmen zum Schutz der Insel regelt.

Schon in früheren Jahrhunderten versuchten die Sylter, ihre bröckelnde Küste zu sichern. Leider mussten sie dabei die Erfahrung machen, dass Buhnen, Mauern und Deckwerke nicht dazu geeignet sind, den Sandverlust im Küstenbereich zu verhindern. So ging man ab 1971/72 dazu über, den Strand der Sylter Westküste und damit die gesamte Insel mit Sandaufspülungen zu schützen. Was Meer und Wind der Insel entreißen, wird seither regelmäßig wieder aufgetragen.

Aufspülungen mit Schiff und Planierraupe

Ein Spülschiff saugt etwa acht bis zehn Kilometer vor der Sylter Küste ein Sand-Wasser-Gemisch hoch und pumpt es durch Rohre an den Strand. Dort verteilen Planierraupen den neuen Boden. Ein mühsames Vorgehen, aber zumindest vorübergehend erfolgreich. In diesem Jahr wurden auf diesem Wege rund 390 000 Kubikmeter Seesand auf insgesamt 5,7 Kilometer Strandlänge verteilt. Zusätzlich wurde das vor Dikjen Deel gelegene Riff, ein natürlicher Wellenbrecher, mit Sandaufspülungen in der Größe von 340 000 Kubikmetern verstärkt.

Im Frühjahr wird man sehen, was die Winterstürme davon übriggelassen haben. Vermutlich kaum mehr als ein paar Sandkisten voll. Und so geht das Spiel im nächsten Jahr von vorne los – der Verlust wird dann im Sommer durch Aufspülungen ausgeglichen.