Wikingerzeit: Spektakulärer Fund auf Sylt

Einst herrschten die kriegerischen Wikinger über die Küsten Europas. Die Zeit, in der sie ihre Eroberungs- und Plünderungsfahrten auf hoher See unternahmen, liegt über tausend Jahre zurück: Historiker datieren sie auf 800 bis etwa 1050 nach Christus. Und auch auf Sylt finden sich Spuren ihrer Existenz.

Während sich die Funde aus dem Frühmittelalter lange Zeit lediglich auf Siedlungsreste und Warften, die Wohnhügel, beschränkten, kam es auf Sylt im Sommer 2017 zu einer spektakulären Ausgrabung.

Aufsehenerregender Silberschatz

Auf einem Acker in Morsum förderten Experten über 180 Fundstücke ans Tageslicht, darunter Schmuck wie Arm- oder Fingerringe sowie Münzen und Barren. Die gesamte Ausbeute der Grabungen wiegt etwa ein Kilogramm. „Das ist einer der größten Silberschatzfunde aus Schleswig-Holstein überhaupt“, erklärte Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes, als der Fund Ende September 2017 vorgestellt wurde. 

Das wohl prunkvollste Fundstück ist eine sogenannte Ringfibel: Wikinger trugen sie als Schmuck am Gewand, um ihren Wohlstand zu demonstrieren. Das Sylter Exemplar besteht aus drei Knöpfen, die die Form von tierartigen Wesen haben. Bereits vor Jahrzehnten hatte ein Landwirt bei Feldarbeiten diese Ringfibel gefunden. Erst im Jahre 2015 jedoch gelang dies an die Öffentlichkeit. Damals vermachte der Landwirt das Fundstück einem Hausarzt. Als dieser das Schmuckstück in den Händen hielt, kontaktierte er das Archäologische Landesamt. 

Grabung auf einem Acker in Morsum

Nach einer Vorbereitungszeit und Recherche des genauen Fundorts, nahmen die Archäologen im Juli 2017 ihre Arbeit auf Sylt auf. Die Grabung dauerte laut der Abteilung Denkmalschutz nur etwa 15 Minuten. 

Die Experten datieren die Zeugnisse der Wikingerzeit auf etwa Mitte des 10. Jahrhunderts. „Bei der Altersbestimmung helfen die gefundenen angelsächsischen und islamischen Münzen“, so Carnap-Bornheim. Recherchen der Archäologen zufolge muss ein Mitglied der Sylter Oberschicht der Besitzer der Fundstücke gewesen sein. Die Ringfibel habe er vermutlich „wie eine Rolex“ getragen. Wie viel die Fundstücke heute insgesamt wert sind, sagten die Archäologen nicht. Carnap-Bornheim: „Damals konnte man dafür 23 bis 25 Ochsen kaufen oder ein durchschnittliches Schwert.“