Wird Sylt zur Fahrradinsel?

Mehr Fahrräder und Busse: Das erste Verkehrskonzept der Insel will nicht das Autofahren verbieten, aber andere Verkehrsmittel attraktiver machen.

Das wird aber auch Zeit: Seit vielen Jahren droht Sylt am Autoverkehr zu ersticken. Enge Straßen, knapper Parkraum und dicke Autos werden vor allem während der Hauptsaison zum Problem. Die meisten Gäste kommen eben immer noch mit dem Pkw auf die Insel, dabei gibt’s dort nur wenige Straßen und kurze Distanzen. Und wer im Urlaub ohnehin nur vom Ferienquartier an den Strand pendeln will, könnte sein Auto eigentlich getrost daheim in der Garage stehen lassen.

Das erste Verkehrskonzept für Sylt

Aber nun haben die Sylter offenbar die Faxen dicke und haben ein Verkehrskonzept für ihre schmale, aber PS-starke Insel auf den Weg gebracht. Das erste Verkehrskonzept überhaupt in der Geschichte Sylts – vermutlich, weil es ein bisschen gedauert hat, alle Bürgermeister, Gemeindevertreter, Kurdirektoren, die Verwaltung, die Polizei und dazu noch etliche Sylter Unternehmen ins Boot zu holen. Das Konzept steckt einige ehrgeizige Ziele für die kommenden zehn Jahre – und die haben auch Auswirkungen auf den Tourismus.

Ziel: fahrradfreundlichste Region Deutschlands

Bis 2025 sollen 50 Prozent aller auf Sylt zurückgelegten Strecken umweltverträglich bewältigt werden, das heißt: In zehn Jahren soll mindestens die Hälfte aller Wege, ob von Einheimischen, Touristen oder Tagesgästen, zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden. Der Anteil des Radverkehrs soll von heute 19 auf dann 26 Prozent gesteigert werden. Dazu erforderlich sind neue Radwege, Verleihsysteme und eine offensive PR-Arbeit, um den Syltern und ihren Gästen den Drahtesel schmackhaft zu machen. Dem Willen der Planer nach soll Sylt gar Deutschlands fahrradfreundlichste Region werden – ein sehr, sehr anspruchsvolles Ziel.

An den Autoverkehr direkt scheinen sich die Macher des Verkehrskonzepts indes nicht so recht heranzutrauen: Verkehrsbedingte Beeinträchtigungen sollen durch klare Flächenzuweisungen auf öffentlichen Straßen und eine optimierte Verkehrsorganisation auf ein Minimum beschränkt bleiben. Dass nun Straßen in Radwege verwandelt werden, muss wohl auch künftig kein Gast fürchten, der seinen Wagen vom Autozug in Richtung Ferienhaus lenken möchte – allenfalls hier und da eine Radspur auf der Fahrbahn.

Das Verkehrskonzept soll bereits in Kürze im Bauausschuss, in der Gemeindevertretung sowie in der Bürgermeisterversammlung abschließend beraten und beschlossen werden.