20. März 2020

1903 - 2020: Hotel Miramar in Krisenzeiten


Das Hotel Miramar ist ein lebendiges Hotel. Mit bewegter Geschichte seit 1903. Jede Vorhangfalte, jeder Teppich kann eine Geschichte erzählen. Und jede Generation unserer Familie erzählt ihre eigenen Geschichten, auch von Krisenzeiten. Jetzt wieder... 

...eine schwere Krise, der Corona-Virus (COVID-19).
19. März 2020. Die Gäste haben die Insel verlassen. Wann gab es das zuletzt? „Noch nie!“, werden Sie sagen. Doch es ist keine rhetorische Frage.

Rückblende in den Sommer 1914. Mitten im sehr heißen Sommer, den die Sylter Gäste in ausgelassener Stimmung genießen, ist plötzlich Schluss mit Vergnügen und Lebensfreude. Am 1. August, auf Sylt ein schöner Sonnabend mit strahlend blauem Himmel, beginnt Deutschland um 17:10 Uhr den Ersten Weltkrieg mit der Mobilmachung. Alle Gäste fliehen von der Insel. Nur vier Tage später schließt das Weltbad Westerland. Auf dem flachen Dach des Hotel Miramar postieren sich die Männer der Inselwache, die den Luftraum beobachten sollen. Das Hotel Miramar wird kurzerhand Quartier für General und Soldaten und erhält vom Kaiser 2,25 Mark je Übernachtung eines Generals und 14 Pfennige für einen Soldaten. Zu wenig zum Überleben. Ein Pfund Butter kostet 1,30 Mark, ein Pfund Mehl 27 Pfennige.
Das Ferienparadies gleicht einer Festung.

Im März 2020 fliehen wir nun weltweit vor dem Corona-Virus (COVID-19), ein unsichtbarer Feind. Das Robert-Koch-Institut fungiert als Wachposten, und die Johns Hopkins Universität gibt täglich Auskunft, wie weit und massiv der Feind vorgedrungen ist, wie viele Verletzte und Todesfälle zu beklagen sind.

Das Hotel Miramar hat große Krisen auch nach dem Ersten Weltkrieg gesehen. Überwunden und gemeistert wurden etliche Sturmfluten, die buchstäblich an uns nagten. Hinzu schlimme Zeiten von Notgeld, Hakenkreuz und Zweiter Weltkrieg, zu dessen Beginn das Hotel Miramar als Domizil für Reichsarbeitsdienst und am Ende für ein polnisches Lazarett dienen musste. 

So erinnern wir uns heute. Weil wir uns und Ihnen Mut machen möchten, dass es weiter geht. Wie? Hoffentlich so:

Vorausschau in den Sommer 2020. Unser schwieriges Üben in Geduld auf bessere Zeiten wird belohnt. Die Insel Sylt bekommt wieder ihren touristischen Puls. Gäste und Gastgeber reanimiert, dankbar. Die einen dankbar für Urlaub, die anderen für Arbeit, indes alle dankbar, gesund am Leben zu sein.

Wir hoffen, auch diesen Feind zu meistern. Wir dürfen ihm gar nicht erst begegnen. Das liegt nun ganz bei uns. Wir brauchen nun Verbündete im Abstand halten. Seien wir es auch für andere. Damit wir uns danach wieder nah sein können.


(Quellen: „Auf der Düne am Meer. Hundert Jahre Miramar“, Herausgeber Familie Kreis)