Sylts Sagen und Legenden: Pidder Lüng

Haben Sie schon einmal von Pidder Lüng gehört? Der Freiheitskämpfer soll der Legende nach im 16. Jahrhundert in Hörnum gelebt haben. Der Sylter Lehrer Christian Peter Hansen schrieb die Geschichte von Pidder Lüng 1860 nieder und manifestierte damit typische Sylter Charaktereigenschaften: Ehrlichkeit und Ungehorsam. 

„Lewwer duad üs Slaav!“

Wie man sich auf Sylt erzählt, begegnete Pidder Lüng eines Nachts eine Lichtgestalt, welche ihm seine Bestimmung mitteilte: „Setze dich für die Tugend und Freiheit deiner Vorfahren ein!“ Von da an soll der Satz „Lewwer duäd üs Slaav!“ der Wahlspruch von Pidder Lüng gewesen sein: „Lieber tot als Sklave!“

Einige Jahre nach dieser Begegnung saß Pidder Lüng mit seinen Eltern am Esstisch. Weil Sylt zu der Zeit unter der Herrschaft Dänemarks stand, war es nicht ungewöhnlich, dass ein dänischer Amtsmann in die Stube trat. Der Herr namens Henning Pogwisch kam, um Steuern einzutreiben. Als Pidder Lüng sich weigerte, zu zahlen, beschimpfte der Steuereintreiber ihn und seine Eltern als gottloses Gesindel. Zu allem Überfluss spuckte er der Familie auch noch in den Topf mit dem dampfenden Grünkohl.

„Wer in den Kohl spuckt, soll ihn auch fressen!“ 

Das ging Pidder Lüng zu weit! Wütend schrie er den Dänen an: „Wer in den Kohl spuckt, soll ihn auch fressen!“ Mit diesen Worten drückte er den Kopf des Steuereintreibers in den Kohl, bis dieser sich nicht mehr bewegte. 

Die Tat sollte nicht unbestraft bleiben. Doch Pidder Lüng floh mit dem Boot seines Vaters von der Insel. Jahrelang segelte er rastlos über das Meer. Er wurde zu einem Piraten, stellte sich eine Flotte zusammen und machte als räuberischer Seemann die Meere unsicher. 

Pidder Lüng tappte in eine Falle

Nur hin und wieder kehrte er nach Sylt zurück, in der Hoffnung, unentdeckt zu bleiben. Doch einmal war er unachtsam und tappte in eine Falle: Ein Gastwirt erkannte den Freiheitskämpfer und machte Pidder Lüng betrunken. So musste er sich doch noch vor Gericht für seine Taten verantworten. Er und die anderen Piraten wurden zum Tode verurteilt und auf dem Galgenhügel bei Munkmarsch gehängt. So wurde der Wahlspruch „Lewwer duad üs Slaaw!“ doch noch zur Wirklichkeit. 

Und heute? 

Glaubt man Historikern, lässt sich das Verhältnis der Sylter zu Obrigkeiten seit jeher als schwierig bezeichnen. Die Insulaner gelten von Grund auf als ehrlich – und können sich nur schwer unterordnen. Jeder stolze Friese befiehlt lieber selbst, als dass er gehorcht. Ob das heute immer noch so ist? Finden Sie es selbst heraus: Machen Sie Urlaub auf unserer schönen Insel und lernen Sie die Sylter und ihre Eigenheiten persönlich kennen!